Wenn in der Nacht zum 1. Mai maskierte Frauen wild um ein großes Feuer tanzen, dann ist wieder Walpurgisnacht. Jetzt sind die Hexen los. Doch was genau wird eigentlich gefeiert? Und warum trägt das heidnische Fest ausgerechnet den Namen einer Heiligen?
Die Tradition der Walpurgisnacht ist bereits Jahrhunderte alt. Die Germanen feierten in dieser Nacht den Beginn des Sommers – den Sieg der Sonne über den harten Winter. In der Geschichte der Kelten stößt man zudem auf das Fruchtbarkeitsfest Beltane. Hier tanzen Pärchen um ein riesiges Hexenfeuer und lieben sich in der freien Natur – alles zu Ehren der Naturgötter Wotan und Freya. Durch halluzinogenen Tee, den man zu diesem Anlass trank, wurde sehr ekstatisch getanzt. Es war also buchstäblich die Hölle los. Die Missionare der christlichen Kirche fanden das unerträglich und machten daraus den Mythos der Hexen, die über das Feuer fliegen und sich mit dem Teufel vermählen. Sie verboten daraufhin das Fest und auch die Symbole für die verschiedenen Götter. Doch das konnte die lange Tradition in den Köpfen der Menschen nicht auslöschen. Jedes Jahr, wenn der letzte Vollmond des Frühlings am Himmel stand, forderten sie, Beltane wieder feiern zu dürfen.
Um dem heidnischen Spuk ein Ende zu bereiten, wurde im Zuge der Christianisierung der Name von Beltane angepasst und das Fest der heiligen Walburga gewidmet – unsere klassische Walpurgisnacht war geboren. Walburga war eine gelehrte Frau und Benediktiner-Nonne. Zeit ihres Lebens hatte sie sich unermüdlich für ihre Nächsten eingesetzt. Sie soll Menschen vor dem Verhungern gerettet und tollwütige Tiere geheilt haben. Aus diesem Grund wurde sie am 1. Mai 870 heiliggesprochen und die Kirche richtete ihr zu Ehren eine Feier aus: das Walpurgisfest. Interessant ist jedoch, dass der Name Walburga auf die Walküren hinweist – heidnische germanische Priesterinnen, deren Bildnisse stark an den erotischen Hexenritt der Walpurgisnacht erinnerten. Ob den Vertretern der damaligen Kirche das bewusst war, ist fraglich. Auch hatte das Fest an sich noch immer große Ähnlichkeit mit Beltane.
Die Walpurgisnacht war und ist bis heute vor allem ein Fest des Sommers und der Fruchtbarkeit und wird überall in Europa gefeiert. Es werden große Feuer entzündet, Kinder und Jugendliche verkleiden sich als Hexen und statt halluzinogenem Tee wird Maibowle getrunken – ein Heidenspaß für Groß und Klein. Wenn auch du das Fest einmal authentisch erleben möchtest, empfiehlt sich ein Besuch des Brockens im Harz. Wer lieber das ursprüngliche Beltane mitfeiern will, sollte nach Schweden fahren. Dort lebt die Tradition bis heute.
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