Ein Karton ist ein Raumschiff, eine Pfütze ein kleines Abenteuer und ein schiefer Strich auf dem Papier ein ziemlich überzeugendes Kunstwerk. Kinder brauchen nicht viel, um glücklich zu sein. Und sie verschwenden erstaunlich wenig Zeit damit, sich zu fragen, ob das gerade vernünftig, sinnvoll oder gesellschaftlich akzeptiert ist. Natürlich können wir nicht einfach wieder fünf Jahre alt werden. Aber ein paar Dinge können wir uns durchaus von ihnen abschauen. Denn zwischen Terminen, To-do-Listen und der ewigen Frage, was andere wohl denken, geht uns Erwachsenen manchmal genau das verloren, was das Leben leicht macht.
Kinder sehen einen anderen Menschen und denken nicht gleich darüber nach, ob er zu ihnen passt. Herkunft, Aussehen oder Sprache sind beim gemeinsamen Spiel erstaunlich nebensächlich. Ein Ball reicht als Einladung, ein Lächeln als Antwort.
Als Erwachsene haben wir gelernt, schneller einzuordnen. Sympathisch oder unsympathisch, vertraut oder fremd, passt zu mir oder eher nicht. Ein bisschen mehr kindliche Offenheit würde uns guttun. Das hilft dabei, den Menschen erst einmal kennenlernen, bevor wir uns eine Meinung über ihn bilden.
Für Kinder ist ein neues Erlebnis zunächst vor allem eins: spannend. Der erste Sprung vom Beckenrand, ein unbekanntes Essen oder die große Rutsche werden ausprobiert, bevor eine komplette Risikoanalyse im Kopf stattfindet.
Natürlich sollten wir Gefahren nicht einfach ausblenden. Aber wie oft verzichten wir auf etwas Schönes, weil wir vorher schon zehn Gründe gefunden haben, warum es schiefgehen könnte? Manchmal wäre ein bisschen weniger Kopf und ein bisschen mehr Neugier genau richtig. Nicht jedes Abenteuer braucht einen ausgeklügelten Plan.
Kinder können sich über Dinge freuen, die wir Erwachsenen kaum noch wahrnehmen. Ein Eis, eine Pfütze, ein Lied im Radio. Und wenn ihnen danach ist, wird eben mitten im Wohnzimmer getanzt.
Wir dagegen haben unsere Freude erstaunlich gut im Griff. Zu laut, zu albern, zu kindisch? Dabei kann genau diese ungefilterte Begeisterung unglaublich befreiend sein. Sie bringt Bewegung ins Leben – und manchmal auch ein Lachen zurück, das wir längst vergessen hatten. Und das einen nicht ganz einfachen Tag gleich viel leichter macht.
Das Eis landet auf dem Boden. Der Zoo ist schon geschlossen. Das Kasperletheater fällt aus. Für einen Moment ist die Katastrophe perfekt.Und dann kommt der nächste Moment. Kinder können enttäuscht sein, ohne die Enttäuschung gleich mit nach Hause zu nehmen, unter das Kopfkissen zu legen und drei Tage lang darüber nachzudenken. Sie weinen, schimpfen, finden vielleicht eine Weile alles doof – und entdecken kurz darauf etwas anderes, das spannend ist. Das heißt nicht, dass sie Gefühle einfach wegwischen. Sie lassen sie durch sich hindurchziehen. Genau das könnten wir uns öfter erlauben.
Vielleicht müssen wir gar nicht auf den nächsten Urlaub warten, um uns ein Stück Unbeschwertheit zurückzuholen. Ein paar kleine Regelbrüche reichen völlig.
Fantasie hat kein Ablaufdatum. Gib deiner Zimmerpflanze einen Namen, erfinde eine Geschichte zu den Menschen, die dir auf der Straße begegnen, oder stell dir vor, was dein Hund wohl sagen würde, wenn er sprechen könnte. Constanze, die Zimmerpflanze, ist schließlich etwas ganz anderes als „die, die ich noch gießen muss“. Und plötzlich fühlt sich die eigene Wohnung ein bisschen persönlicher an.
Mach die Musik an und tanz durch die Wohnung. Sing absichtlich falsch. Nimm den Kochlöffel als Mikrofon oder die Haarbürste als Luftgitarre. Es muss niemand zusehen. Genau das ist der Punkt. Kinder fragen nicht erst, ob jemand ihre Performance auf Instagram stellen würde. Sie machen einfach. Und dieses ungehemmte Ausprobieren tut auch uns Erwachsenen gut.
Wenn ein Kind im Dinosaurierkostüm zum Bäcker möchte, lautet die entscheidende Frage nicht: „Was könnten die Leute denken?“ Sondern: „Wann gehen wir los?“ Wir Erwachsenen machen es uns deutlich komplizierter. Wir verschieben Träume, warten auf den richtigen Zeitpunkt und stellen uns immer wieder die bange Frage, was andere wohl davon halten könnten.
Vielleicht ist heute ein guter Tag, damit aufzuhören. Und stattdessen damit anzufangen, einer Idee Raum zu geben, die du schon viel zu lange kleinredest. Oder du probierst etwas aus, obwohl du noch nicht weißt, ob es klappt. Sag doch einfach mal Ja, bevor dein innerer Bedenkenträger überhaupt zu Wort kommt. Denn ein bisschen Kind steckt noch immer in uns. Wir müssen es nur wieder öfter ans Steuer lassen.
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