Heilkräuter

Medizin der Natur

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Heilkräuter – Medizin der ältesten Weltkulturen

 

Die Behandlung von Krankheiten mit Heilkräutern und -pflanzen ist die älteste medizinische Anwendung. Wie weit das Wissen um die Kräuterkunde in der Geschichte zurückreicht, kann nicht in allen Einzelheiten festgestellt werden.
 

Heilkräuter werden schon seit Jahrhunderten genutzt

Forschungen belegen jedoch, dass bereits die Stämme der Jäger und Sammler der Urzeit Heilpflanzen bei Erkrankungen einsetzten. Bei der etwa 5300 Jahre alten Gletschermumie Ötzi wurden beispielsweise Birkenporlinge gefunden. Aus schriftlichen Überlieferungen alter Kulturen wie der Ägypter, Griechen, Römer, Inder, Chinesen ist sehr altes Wissen um Heilkräuter und Heilpflanzen bekannt.

 

Vermutlich wurden diese zu Heilzwecken mitgeführt. Heilkräuter werden bis heute in der Naturmedizin und Kräuterkunde eingesetzt. Heilpflanzen dienen jedoch nach wie vor in der Pharmazie als Grundlage verschiedener Medikamente. Heilstoffe der Heilpflanzen werden zur Medikamentenherstellung häufig synthetisch nachgebildet.

 

Wann sind Heilkräuter als Arznei besonders sinnvoll?

 

Heilkräuter in Tees, Extrakten, Tinkturen, Pulvern oder Salben sind sehr erfolgreich bei kleineren Alltagserkrankungen einzusetzen. Die Erkältung kann beispielsweise mit Tees und Säften aus natürlichen Kräutern sehr gut behandelt werden. Ebenso gut wirken spezielle Kräutermischungen gegen kurzzeitige Magenbeschwerden, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall oder Unruhezustände und zur Förderung von gesundem Schlaf.

 

Wenn körperliche oder seelische Beschwerden allerdings nicht nach überschaubaren Zeiträumen abklingen oder sich Beschwerden regelmäßig wiederholen, muss ein Arzt befragt werden. Das kann auch ein Naturmediziner sein, der nach ausführlicher Diagnose eine gezielte Behandlung mit speziellen Heilpflanzen und anderen Naturmethoden einleitet. Die Heilkräuterkur gilt als eine sehr sanfte und extrem nebenwirkungsarme Behandlung vieler Erkrankungen.

 
Heilkräuter im Überblick – Anwendung und Wirkung  
  • Fenchel – schleimlösend, krampflösend, blähungstreibend, entspannend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Phenolcarbonsäure, Cumarinen, Flavonoide sowie antioxidativ wirkende Verbindungen
  • Verwendung: als Fencheltee oder -honig, äußerlich für Waschungen
  • Anwendung: bei Augenlidentzündungen, Husten, Erkrankungen der Atemwege, Blähungen, Verdauungsbeschwerden, Magenkrämpfen, Dreimonatskoliken von Babys
     
  • Kamille – schweißtreibend, desinfizierend, entzündungshemmend, antibakteriell
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Levomenol, Bisabololoxide sowie nicht-flüchtige Flavonoide
  • Verwendung: als Tee, Spül- oder Gurgellösung, äußerlich als Wickel
  • Anwendung: bei Grippe, Harnwegsinfekten, Magen-Darm-Beschwerden, Durchfall, Hautausschlag, schlecht heilenden Wunden und Entzündungen im Mund- und Rachenraum
     
  • Salbei – antibakteriell, entzündungshemmend, wundheilfördernd, schweißhemmend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Gerb- und Bitterstoffe sowie Flavonoide
  • Verwendung: als Tee oder Gurgellösung, äußerlich als Tinktur
  • Anwendung: bei Wechseljahrsbeschwerden, Zahnfleischentzündungen, Mund- und Rachenraumerkrankungen, Verdauungsbeschwerden, übermäßigem Schwitzen, Hauterkrankungen
     
  • Pfefferminze – kühlend, beruhigend, krampflösend, antiseptisch, abschwellend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren sowie Flavonoide
  • Verwendung: als Tee oder zur Inhalation als Öl, äußerliche Verwendung als Öl oder Tinktur
  • Anwendung: bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen, Gallenbeschwerden, Schnupfen, Reizdarmsyndrom, Spannungskopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Muskel- und Nervenschmerzen
     
  • Thymian – schleimlösend, keimtötend, krampflösend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitter- und Gerbstoffe
  • Verwendung: als Tee, äußerlich als Vollbad
  • Anwendung: bei Keuch- oder Reizhusten, Bronchitis, Mundschleimhautentzündungen, juckenden Hauterkrankungen, Erkältungsbeschwerden
     
  • Ringelblume – harntreibend, wundheilfördernd, verdauungsanregend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Triterpensaponine, Carotinoide, Xanthophylle, Flavonoide sowie wasserlösliche Polysaccharide
  • Verwendung: als Tee, Spül- oder Gurgellösung, äußerlich als Kompresse, Tinktur oder Salbe
  • Anwendung: bei Mund- und Rachenraumentzündungen, schlecht heilenden Wunden, leichten Verbrennungen, Zerrungen, Blutergüssen, Krampfadern, Erfrierungen, Quetschungen
     
  • Brennnessel – entzündungshemmend, wassertreibend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Vitamine B, C und K, Steroide, Flavonoide, Mineralien wie Kalium, Kalzium und Kieselsäure
  • Verwendung: als Tee oder Saft, äußerliche Verwendung als Tinktur
  • Anwendung: bei Rheuma, entzündlichen Gelenkerkrankungen, Nierengrieß, Prostatabeschwerden, Reizblase
     
  • Löwenzahn – wassertreibend, abführend
  • Inhaltsstoffe: Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe, Kalium, Zucker, Inulin
  • Verwendung: als Tee
  • Anwendung: bei Verdauungs- und Stoffwechselstörungen, Appetitlosigkeit, Augenleiden
     
  • Beifuß – antibakteriell, beruhigend, durchblutungsfördernd, pilzabtötend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Bitter- und Gerbstoffe
  • Verwendung: als Tee
  • Anwendung: bei Gallen- und Leberbeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit, Wechseljahrsbeschwerden, leichten Nervenkrankheiten, inneren Unruhezuständen
     
  • Spitzwegerich – antiseptisch, reizlindernd
  • Inhaltsstoffe: Schleim- und Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide, Kalium, Kieselsäure, keimhemmende Stoffe
  • Verwendung: als Tee oder Sirup (Fertigpräparat), äußerliche Anwendung als Presssaft
  • Anwendung: bei Husten, Bronchitis, Erkältungsbeschwerden, Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut, entzündlichen Hauterkrankungen

 

Chinesische Heilkräuter und deren spezifische Anwendung

 

Die traditionelle chinesische Medizin (TCM) gewinnt zunehmend Einfluss auch in den westlichen Ländern. Heilkräuter spielen bei der TCM bereits seit mehr als 2000 Jahren eine entscheidende Rolle. Hier gibt es einen winzigen Einblick in die reichhaltige chinesische Kräuterkunde:

  • Di Huang – (Braunwurz) harntreibend, unterstützt das Herz, harmonisiert die Körpersäfte
  • Zhi-Zi – wirkt fiebersenkend, Verwendung von Hepatitis von TCM-Ärzten
  • Mi Meng Hua – krampflösend, entzieht der Leber Hitze
  • Lia – wirkt gegen Schlaflosigkeit, unruhiges Herzklopfen, innere Unruhe
  • Nu Zhen Zi – stärkt Nieren und Leber
  • Yin Yang Huo – steigert die sexuelle Lust

In der TCM werden zahlreiche Mischungen von ausgesuchten Heilkräutern verwendet. Kräutermischungen gibt es beispielsweise gegen Verdauungsbeschwerden, Fieber, zur Versorgung mit Yin und Yang, zur Stärkung des Chi, für verschiedene gynäkologische Behandlungen und vieles mehr. Wie auch in der westlichen Kräuterkunde werden die Heilkräuter und Kräutermischungen als Tee, als Pulver, zur Anwendung für Umschläge, Bäder oder Einreibungen verordnet. Über die Kräuter hinaus werden noch vielfältige weitere Pflanzenstoffe, beispielsweise von Wurzeln und Pilzen, und tierische Stoffe in der TCM zur Krankheitsbehandlung eingesetzt.

 

Haben Heilpflanzen eine Wirkung ohne Nebenwirkung?

 

Nicht alle Heilkräuter sind frei von Nebenwirkungen. Bei manchen Heilpflanzen können Menschen überempfindlich reagieren. Etliche Menschen bekommen beispielsweise von der Pfefferminze Magenbeschwerden. Die Kamille wirkt austrocknend, was bei wässrigen Hauterkrankungen erwünscht ist. Allerdings darf Kamille wegen dieser Wirkung niemals am Auge angewendet werden.

 

Allerdings sind bei dem Großteil der Heilkräuter die Nebenwirkungen gering. Heilpflanzen wie der Schlafmohn, aus dem Opium gewonnen wird, sind gleichzeitig Lieferanten hilfreicher Medikamente wie auch von Suchtdrogen mit lebensgefährlichen Wirkungen. Der Fingerhut (Digitales) ist eine wichtige Grundlage für hoch wirksame Herzmedikamente, besitzt jedoch ein tödliches Gift. Tödliches Gift enthält auch die Eibe, aus der wirksame Chemotherapeutika gewonnen werden. In keinem Fall unbedenklich ist die Verwendung von Heilkräutern in Alkohol. Der berühmte Kräuterschnaps hat oft einen sehr hohen Alkoholgehalt und ist als Heilmittel nicht zu empfehlen, wenngleich ein kleines Gläschen der Verdauung schwerer Speisen auf die Sprünge helfen kann.

 

Auch Heilpflanzen nur in Maßen

 

Über die Giftigkeit von Heilpflanzen ist auch manches Ammenmärchen im Umlauf. So ist der Löwenzahn eine bewehrte Heilpflanze und nicht etwa wegen seines weißen Saftes giftig. Abzuraten ist davon, Heilkräuter und aus diesen bereiteten Tees und Säfte als Gewohnheitsgetränk zu sich zu nehmen. Auch bei den Heilkräutern kommt es nach der alten Paracelsius-Regel auf die Dosis an. Gewöhnlich ist aber der Gehalt der Kräuter in verkäuflichen Tees auf ein Maß beschränkt, weshalb auch ein dauerhafter Genuss dieser nicht schadet.

 

Heilpflanzen waren die ersten Grundstoffe, aus denen Apotheker Medikamente herstellten. Bis in unsere Zeit werden bestimmte Heilpflanzen zur Medizinherstellung eingesetzt, und das nicht etwa nur in der Naturmedizin. Bestimmte Pflanzenextrakte wie Betel, Kokain, Nikotin, Opium oder Cannabis werden nicht zu Heilkräutern, sondern zu Modedrogen – und mitunter als Duft- oder Badezusatz unter Fantasienamen wie „Green Cat“, „Jamaica Gold“ oder „Mange Hot“ verkauft. Es muss also auch bei den Heilpflanzen zwischen gänzlich unschädlichen für den Hausgebrauch und giftigen Stoffen zur Medizinherstellung oder für Suchtdrogen unterschieden werden.
 

Heilkräuter helfen bei vielerlei Symptomen

 

Sanfte Medizin und Naturheilkunde mit Heilkräutern

 

Die meisten Heilkräuter können jedoch unbedenklich eingesetzt werden. Sie haben weder dauerhaft schädigende oder kurzfristige Nebenwirkungen. Dabei sind sie bei richtiger Anwendung und Dosierung hoch wirksam. Das belegen inzwischen sehr viele medizinische Studien. Da es bei sehr vielen chemisch hergestellten Medikamenten keine Wirkung ohne Nebenwirkung gibt, nimmt das Interesse an Naturmedizin und am Einsatz der Heilkräuter wieder stark zu.

 

Naturmedizinische Behandlungen mit Pflanzenstoffen und Heilkräutern können auch Therapien schwerer Krankheiten, wie Krebs, die schulmedizinische Therapie gut unterstützen. Geachtet werden sollte bei Kräutertees und Kräutermischungen für andere Anwendung auf naturreine Kräuter, die nicht mit chemischen Zusatzstoffen und anderen Beigaben vermischt sind. Vorzugsweise sollten Heilkräuter aus biologischem Anbau, bzw. von unbelasteten Böden in freier Natur, verwendet werden.


Auf die Wirkung der Heilkräuter haben auch die natürlichen Klima- und Bodenbedingungen Einfluss. Daher können die Kräuter, je nach Region und Wetterbedingungen, verschieden stark wirken. Heilkräuter, die speziell zur medizinischen Anwendung von Ärzten der Naturmedizin, zur Herstellung von medizinischen Tees und anderen Produkten verwendet werden, unterliegen daher Prüfungen, bei denen der Wirkstoffgehalt untersucht wird. Zahlreiche pflanzliche Heilmittel gibt es heute auch in Form von Tabletten, wobei die Wirkstoffe normiert werden können, sodass die verschiedenen Einflüsse beim Wachstum nicht mehr auf die Wirksamkeit nennenswerten Einfluss haben.

 

Bestimmte Heilkräuter können allerdings die Wirkung von anderen Medikamenten beeinflussen. Wer gegen chronische Krankheiten Medikamente einnimmt, sollte vor der Einnahme von Naturheilmitteln zur Unterstützung der Therapie den Arzt zu solchen eventuellen Wechselwirkungen befragen. Einfache Kräutertees oder Bäder mit beruhigenden oder belebenden Kräutern und Ölen können jedoch in der Regel bedenkenlos angewendet werden. Sofern Nebenwirkungen auftreten, sind diese meist auf allergische Reaktionen zurückzuführen und verschwinden sofern, wenn die betreffenden Tees oder Badezusätze nicht mehr verwendet werden.

 

Heilkräuter bei Krankheiten als Alternative in Betracht ziehen

 

Die Kräuterkunde und der Einsatz der Heilkräuter in der Medizin leiten sich von ältesten Heilkenntnissen her. Kräuterbehandlungen sind sanft und extrem arm an Nebenwirkungen. Besonders wirksam sind Heilkräuter als Alternative zu Medikamente bei leichten Erkrankungen und Unwohlsein.


Gerade diese leichten Erkrankungen des Organismus’ können durch eine schonendere Behandlung mit Heilkräutern und Heilpflanzen aus der Natur besser kontrolliert werden. Wer also beispielsweise in der Herbst- und Winterzeit an einer Erkältung oder eine leichten Grippe erkrankt ist, der sollte sich bei seinem Hausarzt und in Apotheken über alternative Behandlungsmöglichkeiten mittels Heilkräutern beraten lassen. Tinkturen, Öle und Co. können helfen, das ohnehin geschwächte Immunsystem auf dem sanften Weg wieder zu stärken!

 

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