Schamanismus

"Wissenschaft ist unsere Mythologie"

Kräuterschamane, Kulturanthropologe und Ethnobotaniker Dr. Wolf-Dieter Storl im Zukunftsblick-Interview


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"Wissenschaft ist unsere Mythologie"

 
Dr. Wolf-Dieter Storl: Kräuterschamane und Kulturanthropologe

Dr. Wolf-Dieter Storl: Kräuterschamane und Kulturanthropologe

Herr Dr. Storl, Wie kommunizieren Sie mit Pflanzen?
Mit unserem Intellekt sind wir von den Pflanzen getrennt. Aber wir sind ja nicht nur Verstand, sondern auch Seele und können daher auf einer ganz tiefen und zumeist unbewussten Ebene in Resonanz kommen.

Wenn wir mit Pflanzen kommunizieren, dann kommt das als Intuition, Eingebung oder durch einen nächtlichen Traum bei uns an. Manchmal weiß man gar nicht, dass es das Pflanzenwesen ist, mit dem man kommuniziert hat. Aber je mehr man sich Zeit nimmt, desto klarer wird die Kommunikation.

Sie sind im Alter von 11 Jahren mit Ihren Eltern von Sachsen in die USA ausgewandert. Hat sich Ihre Liebe zur Natur in den endlosen Wäldern von Ohio entwickelt?
Die war schon vorher da. In Sachsen hatten wir einen Garten, daran kann ich mich noch gut erinnern. Die Natur war für mich damals schon nah, meine Familie war sehr naturfreundlich und meine Großmutter kräuterkundig.

Verstärkt hat es sich dann in Amerika, die Natur dort war so aufregend und neu, ich entdeckte Tiere und Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen hatte, und es faszinierte mich mehr als alles andere.

Waren Sie damals auch schon am Schamanischen interessiert?
Nee, gar nicht. Höchstens intuitiv, während ich in der Natur umherstreifte. Ich hatte zum Glück Eltern, die es zuließen, dass ich bis zu drei Wochen im Sommer im Wald bleiben konnte. Ich machte das, bis ich 18 Jahre war. Ich wollte alles über die Pflanzen wissen, die dort wachsen, also entschied ich mich, auf die Universität zu gehen.
Ich studierte zuerst Förster. Allerdings hatte ich sehr altmodische, romantische Ideen im Kopf, in denen der Förster mit seinen Hunden durch den herrlichen Wald streift. In Wirklichkeit aber lernten wir, wie der Wald zu nutzen und zu bewirtschaften sei.

Das ging mir so gegen den Strich, dass ich nach einem Jahr damit aufhörte und auf Reisen ging. Danach studierte ich Völkerkunde und bin aufgeblüht. Dort bin ich auch auf das Schamanentum gekommen. Die Sichtweisen indigener Völker sind oft viel weiter gefasst als unser reduktionistisches Weltbild, das sich nur auf das Materielle und Messbare stützt und alles darüber hinaus als irrelevant abblockt. Das war sehr befreiend für mich!

Das war ja in den Sechziger Jahren, einer Zeit des Aufbruchs. Hat Sie das beeinflusst?
Oh ja! Im mittleren Westen begann das 1963, da tauchten die ersten Blumenkinder auf und beeindruckten mich mit ihren langen, fließenden Haaren, den schönen Gewändern, ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Sie brachten sehr positive Schwingungen in dieses verhärmte Gehabe der Fünfziger. Es war die "Love Generation": Seid lieb zueinander, seid lieb zu allen, seid gut zu der Natur, vertraut der Natur, denn wir sind ihre Kinder.

So entstanden auch die ersten Ansätze für biologisches Gärtnern. Indien hatte einen großen Einfluss auf meine Generation, denn in den Sechzigern war es zum ersten Mal möglich, mit Jets in ferne Länder zu reisen. Die ganz Mutigen gingen nach Indien, kamen zurück und brachten diese Weisheit mit in den Westen. Viele sind auch in den USA auf Reisen gegangen, mit alten Bussen oder per Anhalter, jeder hat jeden mitgenommen und man fand immer eine Übernachtungsmöglichkeit.

Diese gute Stimmung kippte Ende der Sixties, da kamen kriminelle Elemente herein, die harten Drogen kamen auf und dann fing auch die Politisierung an, der Vietnamkrieg wurde Thema. 

Dr. Wolf-Dieter Storl ist einer der weltweit führenden Ethnobotaniker

Dr. Wolf-Dieter Storl ist einer der weltweit führenden Ethnobotaniker

Sie sind viel gereist, haben in Genf dissertiert, anschließend in Amerika, Europa und Asien gelebt und gelehrt. Warum leben Sie heute abgeschieden im Allgäu?
Das war magisch. Wir waren in Indien und fühlten uns dort sehr wohl. Aber ich bekam eine schwere Hepatitis, weil ich jeden Tag im Ganges schwamm. Ich verließ das Zimmer nicht und schlief nur noch.

Sie waren nicht im Krankenhaus?
Ja, stimmt. Ein normaler Mensch wäre wahrscheinlich ins Krankenhaus gegangen. (lacht) Stattdessen ist meine Seele sechs Wochen auf Reisen gegangen, ich hatte Visionen, in denen ich über den Ganges flog und die Toten mich in den Fluss hineindrücken wollten. Irgendwann - in der fünften Woche - erschien ein riesiger Wurm im Zimmer, ich schmiss ihn aus der Hütte heraus und schloss die Tür hinter ihm. Das war so real wie das tägliche Leben.

Erst später begriff ich, dass ich mich auf einer anderen Ebene befunden hatte, den Geist der Krankheit als diesen Wurm wahrnahm und aus meinem Leben befördert hatte. Ab diesem Tag ging es mir wieder besser. Das hat mir sehr geholfen, zu verstehen, warum die alten europäischen Völker - die Kelten, Germanen, Slawen - von Krankheitswürmern sprachen. Man sagt ja heute noch "Was wurmt Dich?".
Das war 1986. Ich hatte schon vorher als Ethnologe viele verschiedene Kulturen kennen gelernt, hatte miterlebt, wie Schamanen die Geistwesen herbeiriefen und mit ihnen heilten.

Doch das war der Zeitpunkt, an dem ich mich entschieden habe, mich ab nun auf die göttliche Führung zu verlassen. Und meine innere Stimme sagte mir, ich solle zurück nach Europa gehen. Ich hätte in Indien bleiben oder als Ethnologe an eine Uni in den USA gehen können, aber ich zog zuerst ins ostfriesische Moor und dann aufgrund einer weiteren Vision 1988 ins Allgäu.
Seitdem lebe ich mit meiner Familie dort. Wissen Sie, wenn man die Augen öffnet, dann merkt man, dass man in einem wunderbaren, einem magischen Universum lebt. Das muss man nicht herbeiphantasieren, man muss einfach die Seele erweitern und über die Seele wahrnehmen, nicht über den verkrampften Verstand.

Haben Sie im Allgäu noch an der Uni gelehrt?
Nein, nach meiner Krankheit in Indien war das Leben an der Uni für mich vorbei. Es war nicht mehr meine Welt. Das, was ich jetzt mache, kann man nicht im Rahmen der akademischen Wissenschaft tun. Ich gehe immer über die Grenzen hinaus.

Deswegen sind Sie in der Wissenschaft auch umstritten.
Ja, und es ist mir vollkommen egal. (lacht)

Mich wundert schon, dass Sie sich bei Ihrer Naturverbundenheit ein so dicht besiedeltes Land wie Deutschland ausgesucht haben. Hier kann man doch keinen Kilometer wandern, ohne auf Spuren menschlicher Zivilisation zu stoßen...
Ja, die echte Wildnis in Ohio oder den Rocky Mountains habe ich schon vermisst. Aber die geistige Führung hat mich nun mal hierher gebracht. Und unter der verkrusteten, geschundenen Oberfläche hier in der BRD schwingen Jahrtausende. Es ist mehr da als das, was man jetzt wahrnimmt. Unter der Oberfläche wartet immer neues Leben. Es ist eigentlich noch alles da, auch in unseren Seelen. Es muss nur geweckt werden. Die Natur hat ein enormes Selbstreinigungsvermögen!

Glauben Sie persönlich denn, dass die Menschheit bei dem Ausmaß an Umweltverschmutzung und Ausbeutung, die sie praktiziert, ihren Lebensraum weiterhin erhalten kann?
Ich bin da nicht von Grund auf pessimistisch, denn ich denke, dass das Gute auch ein Bestandteil des Seins ist. Ich möchte es mal im Kleinen sagen: Hier oben auf dem Berg kommen die Waldarbeiter mit riesigen Maschinen, die Bäume werden einfach weggehebelt und die Erde aufgewühlt.
Es sieht schrecklich aus! Aber schon im nächsten Jahr kommen Pionierpflanzen und im übernächsten Jahr wachsen Brombeeren, die sind wie ein Pflaster, in dessen Schutz die jungen Bäumchen groß werden. Nach einigen Jahren ist schon wieder alles grün.

Die Erde als lebendes Wesen heilt sich selbst. Wir sind ja nicht alleine hier, es gibt auch geistige Wesen, die bestimmten Menschen Inspirationen geben und Dinge leiten, die wir nicht vorhersehen können. Mit unserem gegenwärtigen, analytischen Bewusstsein beobachten wir die Welt, als ob sie gefährlich wie eine giftige Schlange wäre, und wir sehen eigentlich nur Verfall. Aber das ist nur der Verstand, der das Gewordene wahrnimmt, misst und daraus Schlüsse zieht.

Wir haben auch andere Sinne, die das Werdende erspüren können, und dieses Werdende enthält so viele Möglichkeiten, die noch nicht materialisiert sind. Wenn wir dahin blicken, dann wissen wir sehr wenig. Wir glauben, mit unseren Naturwissenschaften haben wir den Stein der Weisen erlangt, aber das stimmt nicht. Das ist einfach unsere Mythologie, so wie jedes Volk seine eigene Mythologie hat.
 

Dr. Wolf-Dieter Storl: Der Weisheit der Natur und deren Geistwesen folgen

Dr. Wolf-Dieter Storl: Der Weisheit der Natur und deren Geistwesen folgen

Woran glauben Sie? Haben Sie eine bestimmte Religion?
Glaube ist vielleicht nicht das richtige Wort. Die Schamanen glauben ja auch nicht, sie haben Erfahrungen und lassen Erfahrungen zu, die wir in unserer Kultur blockieren oder pathologisieren. Ich glaube daher nicht einfach an irgendeine Doktrin oder Religion.

Ich glaube, man kann sich eine Wahrheit erst dann aneignen, wenn man sie erfahren hat. Von einer bestimmten Perspektive aus gesehen ist es überhaupt keine Frage, dass die Götter da sind. Und in Indien ist die Wand, die diese Dimensionen trennt, viel dünner. Da kann man viel eher erleben, wie Götterwesen in einen Menschen oder ein Tier hineinfahren. Wir im Westen leben jedoch in einem anderen Zeitgeist.

Für die Kelten war jeder Zeitgeist ein spezieller Zauber, und wir leben in einer Welt, die so verzaubert ist, dass wir sie erleben, wie sie in Schulen gelehrt wird.

Sie haben sehr viele Bücher geschrieben. Haben Sie eine Mission, etwas, das Sie wirklich an die Menschen weitergeben wollen?
Wenn ich schreibe, habe ich kein Konzept. Vieles geschieht aus einer Eingebung heraus und ordnet sich selbst. Es ist wie ein Wandern in neuer Landschaft. Aber es geht auch immer um die Besinnung darauf, dass wir zur Natur gehören und das Natürliche für uns wahrscheinlich das Beste ist.

Pflanzen und Tiere sind unsere Brüder und Schwestern, sind Kinder des Himmels und der Erde, genau wie wir, und brauchen unseren Respekt. Sie sind nicht da, um ausgebeutet zu werden.

Die letzte Frage: Welchen Wunsch haben Sie für sich und die Menschheit?
Uijuijui! (lacht) Ich versuche, nicht mehr zu wünschen, denn wer ist es, der wünscht? Meistens ist es doch das Ego und die Wirklichkeit ist immer viel weiter, größer und wunderbarer als das, was man sich wünschen kann. Ich glaube, dass Wünsche in Erfüllung gehen.

Doch wenn sie dann in Erfüllung gehen, gibt es so viel, was man dabei nicht bedacht hat, dass man sich vielleicht wünscht, man hätte nichts gewünscht. Deswegen lasse ich mich von einer tieferen Weisheit führen.

Das hat noch keiner auf diese Frage geantwortet! Herr Dr. Storl, vielen Dank für das spannende Interview! 

 

Buchtipp: Schamanentum: Die Wurzeln unserer Spiritualität

 
Wolf-Dieter Storl - Schamanentum: Die Wurzeln unserer Spiritualität

Wolf-Dieter Storl - Schamanentum: Die Wurzeln unserer Spiritualität

Zusammen mit Wolf-Dieter Storl gehen wir den schamanischen Praktiken der indigenen Völker Europas nach. Welche Heilmethoden kannten die Kelten, Germanen und Slaven? Wie gingen Schamanen und Schamaninnen mit den Göttern, Naturgeistern, Krankheitsdämonen und anderen Wesen aus der Anderswelt um?
Welche Rolle spielten sakrale heilende Pflanzen oder totemische Tiere? Wie und warum geht uns das heute etwas an? Ein inspirierender Streifzug durch die Geschichte und eine Botschaft an unsere heutige Welt. Wir sind Natur. Dieses Buch spricht in schillernden Farben davon.

Wolf-Dieter Storl
Schamanentum: Die Wurzeln unserer Spiritualität
184 Seiten
Hardcover, Lüchow Verlag
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Dr. Wolf-Dieter Storl

Kräuterschamane, Kulturanthropologe und zugleich einer der weltweit führenden Ethnobotaniker zu sein, ist für Dr. Wolf-Dieter Storl kein Widerspruch.
Er ist ein Grenzgänger der Natur, die Beseeltheit von Pflanzen und ihre Heilkraft kennt er aus eigener Erfahrung, hat sie in vielen Büchern beschrieben und Seminaren weitergegeben.
Sein bewegtes Leben und Begegnungen mit vielen unterschiedlichen Kulturen haben ihn vor allem eines gelehrt: voller Vertrauen der Weisheit der Natur und deren Geistwesen zu folgen.

Einen tieferen Einblick in die Arbeit von Wolf-Dieter Storl gewährt seine Website www.storl.de

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Zukunftsblick-Interview mit Chuck Spezzano
Zukunftsblick-Interview mit Chuck Spezzano

Chuck Spezzano hat den Doktor in klinischer Psychologie, ist Hawaiianischer Schamane und hat bereits 35 Bücher zu Themen wie Liebe, Beziehung und Erfolg geschrieben, mehrere davon Bestseller und in 20 verschiedene Sprachen übersetzt.

Im Zukunftsblick-Interview gibt er tiefe Einblicke in seine spirituelle Philosophie.

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26.05.2017, 07:37 MESZ
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