Lebensfreude

Der Weg zum Glück - Teil 1

Wir möchten alle unser Glück finden. Tipps und Tricks auf dem Weg dahin erfahren Sie im Artikel von Marlene Auer.


Streben nach Glück - Teil 1

 

Alle streben danach. In den USA hat es als »Pursuit of happiness« sogar Verfassungsrang. Doch was ist Glück wirklich? Und wo findet man es? So einfach, wie es in Ratgebern steht, ist es jedenfalls nicht.


Schließen Sie die Augen. Stellen Sie sich vor, Sie wüssten, Sie hätten nur noch zehn Minuten zu Leben. Was würden Sie tun? Zum nächsten Kiosk laufen und sich eine Kippe nach der anderen anstecken? Oder den 80 Jahre alten Whiskey in der staubigen, grünen Flasche aus der Glasvitrine verkosten? Oder die zwei Tafeln Schokolade in der Schublade auf einmal verputzen? Natürlich weiß niemand genau, was Sie in den letzten zehn Minuten tun würden. Aber sehr wahrscheinlich werden es ganz andere Dinge sein, als die, die Sie heute getan haben. Manche würden das wohl bedauern und einem ins Gewissen reden, man hätte doch jede Sekunde so leben sollen, als wäre es die letzte gewesen. Was allerdings davon zeugt, dass manch einer die letzten zehn Minuten damit verbringen würde, gute Ratschläge zu geben.
 

 

Ein Leben für die Zukunft

 

Natürlich verhalten wir uns anders, wenn wir wissen, dass unser Leben auch nach zehn Minuten weiter geht. Wir sparen mit Cholesterin und Nikotin, lächeln pflichtbewusst, wenn der Chef mal wieder einen seiner Witze reißt, über die niemand lacht, halten uns an Tempolimits im Straßenverkehr und sparen den Rest des Gehalt am Ende des Monats wie Eichhörnchen, damit wir später mal die schöne Kreuzfahrt machen oder das neue Auto kaufen können.
 

»Wir behandeln unsere zukünftige Ausgabe von uns, wie wir unsere Kinder behandeln«, bringt es Harvard-Professor undGlücksforscher Daniel Gilbert auf den Punkt. Er hat auch ein Buch zum Thema (»Ins Glück stolpern«, Goldmann-Verlag) auf den Markt gebracht. »So verbringen wir jeden Tag viele Stunden damit, zukünftige Möglichkeiten vorzubereiten. Statt dem nachzugehen, was uns spontan in den Sinn kommt, übernehmen wir Verantwortung für die Person, die wir in Zukunft sein werden.« Wann immer wir etwas wollen – sei es eine Beförderung, eine Heirat, ein Haus, einen Hamburger - gehen wir davon aus, dass wir zu diesem Zeitpunkt, auf den wir hinsteuern, die Welt genießen können. Und wir wollen gewürdigt werden für die klugen Aktiengeschäfte und die gelungenen Diätpläne.
 

 

Stop! Bitte atmen Sie durch

 

Denn Hand aufs Herz: Oft rackern wir uns ab und fragen uns danach, wie wir darauf gekommen sind, ausgerechnet das gut zu fi nden. Klar mag es niemand, kritisiert zu werden und solange Dinge funktionieren, die wir uns einbilden, geht es ja auch gut. Aber, sobald etwas mal nicht klappt, ist es nur menschlich und natürlich, dass man einen verächtlichen Blick zurückwirft und sich fragt, was in aller Welt man sich dabei gedacht hat. »Sollten wir die Person, die wir künftig sein werden, nicht auch so gut kennen, dass wir ihr Leben dementsprechend gestalten können?«, fragt sich Gilbert. »also Berufe und Beziehungen für sie finden, mit denen sie zufrieden sind und sich dabei wohl fühlen. Und die Sofabezüge kaufen, die ihnen auch noch in einigen Jahren gefallen.« Und doch endet es immer damit, dass Dachböden und Leben vollgestopft sind mit Dingen, die wir früher für unentbehrlich hielten.
 

 

Planen für ein Leben in Seligkeit

 

Ein größeres Haus, Geld oder Nachwuchs – die meisten sind ständig damit beschäftigt, an der Erfüllung ihrer Wünsche zu arbeiten. So sehr, dass sie dabei ganz vergessen, die Gegenwart zu genießen. Sie sind überzeugt: Wenn erst einmal erreicht ist, was sie anstreben, dann wird das Leben nicht nur besser, sondern dann fängt es erst richtig an. Doch genau dort liegt die Falle der »Glücksformel«. Denn: »Je verbissener man seinem Glück nachläuft, desto unglücklicher fühlt man sich«, sagt Daniel Gilbert. Untersuchungen belegen, dass sich etwa zwölf Prozent unserer täglichen Gedanken um die Zukunft drehen. Verantwortlich dafür ist der Frontallappen im Gehirn. Er liegt direkt über dem Auge, entwickelte sich in der Geschichte des Menschen erst spät heraus und gibt uns heute, im Gegensatz zu unseren Ahnen, die Fähigkeit zu planen.
 

 

Wofür sollen wir uns entscheiden?

 

Hinzu kommt: Heute scheint das Glück in unseren Händen zu liegen. Die meisten von uns treffen mindestens drei wesentliche Entscheidungen:
Wo wohne ich? Was mache ich? Mit wem bin ich zusammen? Der Glücksforscher führt aus: »Wir suchen uns also die Stadt aus, in der wir leben, wählen den Studienzweig und Beruf selbst und auch die Freunde und den Liebespartner.« Bei all dem regiert die Freiheit. Das war nicht immer so. Unsere Vorfahren haben dort gearbeitet und gel(i)ebt, wo sie geboren wurden. Sie haben geheiratet, mit wem sie durch die Eltern zusammengeführt wurden und haben sich in Kreisen aufgehalten, die nach »Schichten« unterteilt waren. Heute stehen uns viele Wege offen, die Welt scheint grenzenlos erfassbar geworden zu sein. Durch Industrialisierung, Globalisierung und technische sowie mediale Entwicklungen ergibt sich demnach eine Vielzahl an Optionen.
 

Berlin, Wien oder Genf? Architekt, Arzt oder Reporter? Wofür sollen wir uns entscheiden? Was bringt uns unser Glück? Daniel Bernoulli, niederländischer Universalgelehrter, glaubte bereits im Jahr 1738 die Antwort gefunden zu haben. Er war der Ansicht, dass die Weisheit jeder Entscheidung berechnet werden könnte – indem man die Wahrscheinlichkeit, mit der wir durch die Entscheidung das erreichen, was wir wollen, mit dem »Nutzen« – also dem »Guten«, das sich später dadurch einstellt – multipliziert. Klingt logisch, hat aber einen Haken: Den »Nutzen« kann man nicht vorhersagen. Zwar kann man sich Chancen ausmalen, wenn wir einen Weg gehen, doch das Resultat wird sich erst entwickeln. Wie wahrscheinlich ist es, dass man zum Vorsitzenden des Konzerns gewählt wird, wenn man in diese eine bestimmte Stadt zieht? Wie realistisch ist es, dass man die Wochenenden am Strand verbringt, wenn man nach Florida oder Italien umzieht? Und wie nachvollziehbar ist die Vorstellung, dass man das geliebte Motorrad verkauft, wenn man das Herzblatt heiratet? So etwas zu kalkulieren ist einfach und deshalb verdienen sich zum Beispiel Banker eine goldene Nase – indem sie die Wahrscheinlichkeit berechnen, mit der die Aktie an Wert gewinnen wird. Wir können also ahnen, wie viel weiter uns eine Entscheidung zu dem bringt, was wir uns wünschen.
 

»Doch wir können nicht so leicht einschätzen, wie wir uns fühlen werden, wenn wir das haben, was wir wollen«, betont Daniel Gilbert. »Also tun wir das, war nur unsere Spezies kann: Wir stellen uns vor, was geschehen wird.« Denn die Fähigkeit, uns in die Zukunft zu projizieren und Ereignisse vorwegzunehmen, bevor sie geschehen, macht es uns möglich, aus Fehlern zu lernen, ohne sie zu machen. Doch so großartig der Frontallappen im Vorfeld die Handlungen bewertet, so ist es kein Blick in die Kristallkugel – denn bei diesem Planen im Kopf und dem Prognostizieren von Gefühlen, so Gilbert, überschätzen wir unser Glück regelmäßig. Wenn wir uns zukünftige Situationen vorstellen, fügen wir nämlich Details hinzu, die nicht wirklich geschehen werden und lassen Einzelheiten aus, die wichtig sind. Stellen wir uns künftige Gefühle vor, können wir nicht ausblenden, wie wir uns gegenwärtig fühlen. Wir wissen also nicht, wie wir über die Dinge denken werden, die später geschehen.

 

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20.10.2017, 16:22 MESZ
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