Lebensfreude

Das Leben bewusst genießen

Die Magazin-Rubrik "Lebensfreude" umfasst alle Themen rund um Lifestyle, Wohlbefinden und Partnerschaft.
Gehen Sie auf Ihre Bedürfnisse und die Ihrer Liebsten bewusst ein.


Mondmänner und die unerreichbare Liebe - Teil 2
 

Sind nur wir Frauen so? Oder haben auch die Männer ihre Mondfrauen, die unerreichbaren Göttinnen oder die verstörend aufreizende neue Freundin des besten Freundes, die sie heimlich und langjährig anbeten? Ja, so wird es wohl sein, nur reden sie nicht darüber.

Warum also sind wir so? Ist die Realität manchmal so schwer zu ertragen? Oder der Partner, den wir tatsächlich haben, so unspektakulär?
Warum halten wir gerade an jenen Männern mit solch fester Überzeugung und Treue fest, die wir nie wirklich haben können? Die uns immer ein bisschen Hoffnung schenken, durch ihr Verhalten oder ihre Ausstrahlung ein so verheißungsvolles Versprechen machen, sich aber aus der Affäre ziehen, sobald man sie beim Wort nehmen will. Nachdem sich Georg aus dem Staub gemacht hatte, litt Anita nicht nur, sie war auch wütend. Wütend auf diesen miesen Typen, der ihr so wehgetan hatte. Und doch liebte sie ihn. Doch ist das wirklich Liebe, wenn es so weh tut?
Oder ist es der beißende Schmerz darüber, etwas nicht leben zu können, das unsere tiefsten Träume berührt und unsere Phantasie zum Jubeln gebracht hat?

Chuck Spezzano, Amerikas führender Beziehungstherapeut, hat dieser Frage ein ganzes Buch gewidmet. In seinen Augen sind die unerreichbaren Männer oder die »Bösewichte«, die unfähig waren, sich auf uns einzulassen, vor allem eines: unsere Entschuldigung dafür, dass wir nicht wirklich bereit sind für eine Liebe, die in der Realität Bestand haben könnte und die wir aus Angst vor Verletzung vermeiden.
 


Sich in den Falschen zu verlieben kann jedem passieren. Und eine unerfüllte Liebe haben auch die meisten von uns schon erlebt. Doch die Liebe kann auch nur so groß und sehnsüchtig sein, weil sie nie wirklich richtig ausgelebt wurde, weil wir immer genug Spielraum hatten, die Realität mit eigenen Wünschen und Vorstellungen auszuschmücken.
Denn nie sind wir dem Mann nahe genug gekommen, um herauszufinden, ob er nicht auf Dauer langweilig ist Oder seine nicht wirklich lustigen Witze unerträglich werden. Oder der Rausch der Liebe sich nach einiger Zeit wie von selbst verabschiedet. Die unerfüllte Verheißung hat den größten Reiz, denn sie musste nie im Alltag bestehen. Sie gehört in die Parallelwelt, dorthin, wo wir unsere Träume gestalten und das hüten, was uns vom echten Leben abhält. Manche Männer sind eben einfach nur zum Genießen da. Die Erfahrung, sie geliebt zu haben, ist wie ein kostbares Geschenk, das man tief in seinem Herzen trägt. Nicht mehr. Und nicht weniger.
 

Was aber, wenn das Unerfüllte eine solche Macht erlangt, dass man nicht in der Lage ist, sich nach einer angemessenen Zeit wieder der Realität zuzuwenden und eine neue Liebe zu finden? Was, wenn man der Überzeugung ist, dass nur mit diesem einen Partner, den wir nicht haben können, das echte Glück möglich ist?
Natürlich ist das eine Glaubensfrage. Wer darauf vertraut, dass es im Leben tatsächlich nur den einen, wahren, vorherbestimmten Seelenverwandten gibt, kann vom Glück gesegnet werden und den einzig wahren Mann aufspüren. In den meisten Fällen allerdings ist das Leiden damit vorprogrammiert, denn gäbe es sonst so unendlich viele Mondmänner?
Vielleicht also ist die Idee von einem Seelenzwilling, den man nicht haben kann, unbewusst vor allem eines: die perfekte Strategie, alleine zu bleiben.
 

Pragmatisch betrachtet kann die Lösung nämlich auch ganz einfach sein: Wenn es nicht möglich ist, mit einem Partner eine glückliche Beziehung aufzubauen, dann ist er nicht der Mann meines Lebens, egal, wie toll die Gefühle waren oder sind. Punkt.
Denn spätestens jenseits der 30 weiß Frau:
Zu lieben und eine gesunde Partnerschaft zu leben, da gehört doch so viel mehr dazu als der Rausch des Wiedererkennens, die Schmetterlinge im Bauch und Hormone, die mit einem Schlitten fahren. Für eine langfristig erfolgreiche Beziehung braucht es doch den gemeinsamen Blick in die gleiche Richtung, die Bereitschaft, sich wirklich aufeinander einzulassen und durch schlechte Zeiten durchzukämpfen, die Stärke, über seinen eigenen Schatten zu springen oder den anderen so anzunehmen, wie er wirklich ist. Für jemanden Liebe zu empfinden bedeutet also nicht automatisch, mit diesem Jemand auch eine glückliche Beziehung leben zu können.
Und manchmal ist es noch nicht einmal Liebe, auch wenn wir es anfangs dafür gehalten haben. Manchmal ist es vielleicht unsere Sehnsucht, jemandem zu helfen oder die Bewunderung für das Talent und den Erfolg unseres Angebeteten, vor allem, wenn er in der Öffentlichkeit steht, die unser Herz und alle unsere Sinne so berührt, dass es sich wie ein Erkennen anfühlt – und wie Liebe. Aber erkennen wir dann wirklich den anderen oder`einfach ein Stück von uns selbst, das es gilt, auszuleben?


Was kann uns also helfen, aus dieser ewigen Sehnsucht, die verhindert, das Leben wirklich zu leben, auszusteigen und ihn irgendwann doch zu finden – den Partner, mit dem wir eine glückliche Liebesbeziehung leben können?

Anita hat einen ungewöhnlichen Schritt gewagt. Sie hat nach all diesen Jahren noch einmal Kontakt zu Georg aufgenommen, denn sie konnte es nicht mehr ertragen, die ewige, unerfüllte Sehnsucht nach ihm. Zu Ihrem Erstaunen war er bereit, sich mit ihr zu treffen.
Und er war immer noch – oder schon wieder – Single. Sie traf ihn im Stadtpark, sie unterhielt sich mit ihm. Er hatte sich kaum verändert, und als sie ihn zum Abschied umarmte, war es immer noch das gleiche, berauschende Gefühl. Das Straßencafé, in dem sie damals Helene zum ersten Mal von ihm berichtet hatte, lag in der Nähe des Parks. Helene wartete schon auf sie und Anita erzählte, sie hatte vieles von Georg erfahren, und einiges über sich selbst. Er hatte ihr auch erklärt, warum er den Kontakt abgebrochen hatte: »Wenn es schon so leidenschaftlich und überwältigend in dieser kurzen Zeit war, wie wäre es dann erst, wenn wir länger zusammen wären?« hatte er sie gefragt. »Oder wenn wir uns streiten würden?« Da begriff sie, dass er ein ganz anderer Mensch war als sie, dass er Gefühle nicht willkommen hieß und ausleben wollte, sondern dass er ein ruhiges, vorhersehbares Leben bevorzugte. Sie hatten zu verschiedene Erwartungen an ihr Leben.
»Ich verstehe bis heute nicht, warum ich mich in ihn verlieben musste, wenn die Liebe von vorneherein zum Scheitern verurteilt war«, sagt sie und rührt nachdenklich in ihrem Cappuccino herum. Ihre Miene hellt sich auf: »Aber vielleicht ist es auch nicht immer wichtig, alles zu verstehen. Ich weiß nur: Ich liebe ihn noch immer. Er wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Doch ich weiß jetzt auch: Mein Herz ist groß, und es
ist noch so viel Platz darin für neue Liebe.«

 

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