Lebensfreude

Das Leben bewusst genießen

Die Magazin-Rubrik "Lebensfreude" umfasst alle Themen rund um Lifestyle, Wohlbefinden und Partnerschaft.
Gehen Sie auf Ihre Bedürfnisse und die Ihrer Liebsten bewusst ein.


Darf der Traumprinz einen Bierbauch haben? - Teil 1

 

To-do-Listen an der Kühlschranktür, Diätpläne an der Pinnwand und beim Geschirrspüler- Einräumen werden die Zähne geputzt. Kompromisslosigkeit ist oft ein Teufelskreis!
Ein Plädoyer für Gelassenheit



Die Verführung zum makellosen Leben ist unfassbar groß: Ein neuer Ratgeber liefert die Anleitung zur besten Liebhaberin und neueste Wunderdiäten verhelfen im Raketentempo zur Traumfigur. Zeitschriften und TVJournale berichten über Must-Haves, ohne die man modisch angeblich kaum überleben kann, und in den In- und Out-Rubriken ist nachzulesen, in welchen Lokalen Sie sich überhaupt noch blicken lassen dürfen. Die Wäsche ist nicht nur sauber sondern rein, das fünfgängige Menü wird nach einem harten Arbeitstag einfach aus dem Ärmel geschüttelt und die wohlerzogenen Kinder lassen sich ohne Widerrede vom vorbildlichen Vater ins Bett bringen. Die Wohnung wird je nach Mode und Saison neu gestylt, das Auto auf Hochglanz poliert und abends noch schnell die neuen Kinofilm- Kritiken überflogen, um am nächsten Tag im Büro auch mitreden zu können. Der Perfektionismus macht auch vor dem Job nicht Halt. Der ideale Mitarbeiter soll heutzutage männlich – Schwangerschaften stören das Bild -, Mitte zwanzig und Akademiker sein, mehrere Jahre Berufserfahrung mitbringen, sich gesellschaftlich engagieren, teamfähig und durchsetzungsstark sein sowie Flexibilität beweisen und möglichst in einer stabilen Partnerschaft leben – ganz zu schweigen von den ausgezeichneten Fremdsprachen- und PC-Kenntnissen, die natürlich vorausgesetzt werden.
 

 

20 Prozent Einsatz genügen oft schon

 

Für jeden Lebensbereich scheint es also einen perfekten Maßstab zu geben, den man erreichen muss, um glücklich zu sein. Doch die Wahrheit sieht anders aus: »Mit nur 20 Prozent Anstrengung erreicht man in der Regel bereits satte 80 Prozent des gewünschten Ergebnisses – und das ist in den meisten Fällen schon ausreichend!«, weiß Irene Becker. Einzig Berufsgruppen wie Ärzte, Chirurgen, Fluglotsen, Statiker oder auch Autobremsen- Hersteller sollten im Job waschechte Perfektionisten sein. Tun sie das nicht, könnten sie Menschen in lebensbedrohliche Situationen bringen. »Ich bin schon sehr froh, dass Mediziner bei der Operation die Wunde vollständig zunähen und nicht nach halber Arbeit meinen, es würde schon passen«, so Becker.
Die Psychologin geht auch in ihrem Buch »Lieber schlampig glücklich, als ordentlich gestresst«, das sie mit einer weiteren Autorin auf den Markt brachte, dem Phänomen Perfektionismus auf den Grund. Sie animiert die Menschen, das Streben nach Vollkommenheit auf ein vernünftiges Maß herunterzuschrauben. Denn bei vielen, die gar keine Perfektionisten sein müssten, erzeugt die scheinbar ideale Lebensplanung leider nicht nur massenhaft Stress, sondern kann sogar zu Depressionen führen, die Kreativität und Spontaneität einschränken und Betroffene in gefühlskalte Maschinen verwandeln. Schluss damit! Starten Sie Ihr neues Leben ohne diese nervenaufreibende Jagd nach der Makellosigkeit. Sie glauben, das brauchen Sie nicht? Na, dann machen wir einen kleinen Test: Bei Tippfehlern in Speisekarten oder in Büchern würden Sie am liebsten sofort zum Rotstift greifen und eine Malstunde einlegen? Der schönste Badetag kann Ihnen gestohlen bleiben, weil Sie ja schon immer einmal den Dachboden abstauben wollten? Ungeschminkt tragen Sie nicht einmal den Müll runter? Durchschnitt ist ein Schimpfwort für Sie? Bei untätigem Herumsitzen kriegen Sie Schweißausbrüche und sitzen wegen dieser Verschwendung von Zeit wie auf glühenden Kohlen? Und heute Morgen wollten Sie eigentlich nur schnell eine Tasse Kaffee trinken und waren zehn Minuten später mit dem Putzen und Polieren der Spüle beschäftigt? Ertappt! Willkommen in der Gruppe der Perfektionisten.
 

 

In die Wiege gelgt

 

So hart es klingt: Viele Psychologen meinen, bei Betroffenen eine neurotische Persönlichkeitsstörung zu erkennen, bei der Ängste und mangelndes Selbstwertbewusstsein durch vermeintlich unverbesserliche Verhaltensweisen verdrängt werden. Doch keine Sorge: Die meisten Perfektionisten sind laut Becker einfach nur ganz normale Menschen, die dem Druck der modernen Welt auf ihre eigene Art begegnen. Fast jeder neigt in einigen Lebensphasen zum Perfektionismus, ohne dabei gleich psychisch krank zu sein. Die Veranlagung dazu wird uns bereits in die Wiege gelegt. »Die Ausprägung aber wird durch Erziehung und Erfahrungen bestimmt«, erklärt Becker und unterscheidet grundsätzlich zwischen extrovertierten und introvertierten Perfektionisten.
Bei Ersteren ist die Anerkennung und Wirkung auf die Außenwelt der Knackpunkt. »Was werden wohl andere denken«, so ein Lieblingsgedanke. Andere zu übertrumpfen ist das Lebenselixier dieser Menschen, denn nur zu gewinnen reicht nicht. Und: Jeder noch so kleine Fehler der Kollegen oder Freunde wird wahrgenommen, doch bei den eigenen Schwächen wird nicht so genau hingeschaut – das macht diese Leute im Alltag leider oft intolerant. Die introvertierten Perfektionisten hingegen legen ausschließlich an sich selbst hohe Maßstäbe an und kämpfen unerbittlich um das Erreichen ihrer Ziele. Fehler sind auch für diese Gruppe unverzeihlich. Doch interessiert es sie, im Gegensatz zu den Extrovertierten, nicht, ob andere die Leistung gut finden. Deshalb neigen sie dazu, ständig unzufrieden zu sein und sich selbst zu übertriebenen Höchstleistungen anzutreiben. Ist es denn wirklich notwendig, mit einem gebrochenen Arm das Familienessen zubereiten zu wollen?
 

 

Bilderbuchfamilie häufig nur ein Mythos

 

Apropos Familie: Mustergatte und Superkinder sind für Perfektionisten ein absolutes Muss. Ein nettes Haus im Grünen, ein Hund, ein kleiner Zweitwagen, rauschende Grillpartys mit Freunden auf der Terrasse und Luxus-Urlaube am Meer setzen dem noch die – natürlich blitzblanke – Krone auf. Schon als Kind träumen Mädchen vom Märchenprinzen, der eines Tages auf einem Rappen angeritten kommt. Als Erwachsener ist es zwar nicht mehr die romantische Reit-Show, dafür aber kommen stabile Faktoren wie Sicherheit, Geborgenheit, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft ins Spiel. Freundinnen sollen auf Sie, als Frau des Prachtkerls, – der seinen Sport-Flitzer natürlich sofort gegen einen Kombi eintauscht, wenn Nachwuchs im Anmarsch ist – ruhig neidisch sein.
»Die Hälfte der Perfektionisten suchen nach dem Prinzip ‚gleich und gleich gesellt sich gern’ und geraten so an einen ähnlich guten Kritiker«, weiß Becker. Häufig stacheln sich die Partner dann auch noch gegenseitig an und können sich mit niemanden wohl fühlen, der nicht ebenso wie sie nach dem höchsten Maß aller Dinge strebt. Die andere Hälfte hingegen wählt den Liebsten nach dem Modell »Gegensätze ziehen sich an« aus – eine deutlich bessere Wahl. Mit so einem Zeitgenossen können sie trotz Perfektionismus auch einmal die Füße hochlegen und die Welt ein wenig entspannter betrachten.
 

 

Alle Märchenprinzen haben Macken

 

Eines ist aber klar: Den Traummann, den wir uns als Kind ausmalten, gibt es nicht. Er ist nichts als eine Illusion. Doch seien wir bitte ehrlich, könnte Sie wirklich ein Partner ohne Ecken und Kanten langfristig interessieren? Viele finden ja gerade jene Typen interessant, die in der Realität alles andere als Mustergatten sind: Zum Beispiel der smarte Bankkaufmann, der von einem sündhaft teuren Haus am Meer träumt, eisern spart und deshalb immer noch im Hotel Mama wohnt. Oder der Skilehrer aus den Alpen, der im Sommer als Bauarbeiter Geld verdient und auf der Baustelle eine Flasche Bier nach der anderen kippt. Oder der gut aussehende Arzt, der jedoch im Alltag zwei linke Hände und drei Kinder zu versorgen hat … Diese Typen haben für Perfektionisten so gut wie nichts mit dem idealen Vorzeigemann gemeinsam. Ihre Attraktivität liegt in der Ungewissheit, der Spannung und dem Quäntchen Abenteuer. Werfen Sie also alle Klischees über Bord und erstellen Sie ein individuelles Profil für Ihren Traummann!
 

 

So einfach geht's:

 
  • Erwartungen definieren: Notieren Sie, welche Kriterien die Beziehung erfüllen sollte.
  • Eigenschaften erkennen: Schreiben Sie auf, welche Eigenschaften Sie an sich mögen und welche Sie hassen. Danach ist Ihr Liebling dran. Was sollte er haben und was wäre ein absolutes Tabu?
  • Vorstellungen besprechen: Nur, wenn der Partner weiß, was Ihnen nicht passt, können Lösungsmöglichkeiten entstehen. Sollten Sie sich vernachlässigt fühlen, können Sie Termine für Verabredungen fixieren. Oder sie können darum bitten, dass er sich mehr in die Familie einbringt und Sie sich im Gegenzug dafür seine beruflichen Probleme anhören – ein Deal, der beide zufrieden stellt.

Mit diesem »Plan« sowie einer Portion Geduld können Sie auch den langjährigen Partner, an dem sie immer wieder etwas auszusetzen haben, in einen »Traummann mit Macken« verwandeln. Und falls Sie gerade kein formbares Objekt zur Seite haben, werden Sie nun besonders optimistisch auf Partnersuche gehen. Denn bisher war es Ihnen immer zu peinlich, dass der Anwärter diesen seltsamen Dialekt spricht, einen Bierbauch hat, zu klein oder zu groß, zu jung oder zu alt ist oder sein Haar nur noch schütter über dem Kopf verteilt ist. Doch wenn Sie Ihre perfektionistische Brille abgesetzt und erkannt haben, was Ihnen in einer Beziehung wichtig ist, dann werden Sie ihn mit ganz anderen Augen sehen, dieser Liebe die verdiente Chance geben – und die schiefen Blicke der Freundinnen nur belächeln.
 
 

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