Körper, Seele, Geist

In der neuen Rubrik lesen Sie spannende Artikel und hilfreiche
Tipps, wie Sie Ihrem Körper, Ihrer Seele und auch Ihrem
Geist Gutes tun können.


Kunst des Friedens: AI KI DO

 

»Verneige dich vor deinem Gegenüber, wenn er vor dich tritt – schicke ihn auf seinen Weg, wenn er dich verlässt« (Morihei Ueshiba). In Aikido geht es darum, die Energie des Angreifers weiterzuführen. Es handelt sich um eine Verteidigungskampfkunst und Lebensart. Die Hallenuhr zeigt 21 Uhr; die Matten sind bereits von den trainingsfreudigen Aikidokas großflächig vorbereitet worden und erinnern ein wenig an einen zusammengeflochtenen Fleckenteppich. Gleichmäßig reihen sich die Anwesenden an einem Ende des Trainingsfeldes auf. Sie knien, ganz der japanischen Tradition entsprechend, mit aufgerichtetem Rücken. Gegenüber von ihnen kniet der Sensei (Lehrer) mit dem Gesicht in Richtung Aikidokas, die Augen jedoch halb geschlossen in Richtung Matten.

 

Hinter dem Sensei befindet sich ein Schrein, auf dem sich das Abbild von Ueshiba, dem Urheber von Aikido, befindet – versehen mit einer kunstvollen, japanischen Inschrift. Nun ist es ganz ruhig in der Halle. Der Atem aller Beteiligten geht tief und gleichmäßig; in der Luft liegt eine harmonische Stimmung. Noch immer kniend dreht sich der Sensei nach kurzem Verweilen um, und alle verbeugen sich vor dem Gründer, Morihei Ueshiba. Schließlich wendet sich der Sensei wieder seinen Schülern zu, damit diese auch ihm ihre respektvollen Verbeugungen entgegenbringen. Bis zu viermal in der Woche können die Vereinsmitglieder des Musubikan Dojo Wien in die Welt dieser japanischen Kampfkunst eintauchen und davon lernen.

 

System der Selbsterziehung

 

Dieses »Lernen« betrifft jedoch nicht nur das Erlernen von Techniken, sondern laut Nick, einem Vereinsmitglied, geht damit auch der Erwerb von anderen Fähigkeiten einher. »Aikido versteht sich als System der Selbsterziehung. Es muss einem klar sein, dass einen eine ernsthafte, langjährige Übungspraxis verändert.« Der etwas kleinere, dunkelhaarige Mann im mittleren Alter praktiziert Aikido schon seit 1996 fortwährend. Eine der Parallel-Fähigkeiten verortet er im Umgang mit Konfliktsituationen. Durch Aikido lerne man Empathie, also das sich in den anderen Einfühlen. Dies sieht Nick in dem regelmäßigen Rollentausch und dem Training der beiden Körperseiten (Techniken werden links und rechts trainiert) begründet. Aikido ist in seinen Augen außerdem nichts Intellektuelles. Vielmehr handelt es sich um ein einfaches »tun«, vorzugsweise mit Menschen, mit denen man sich gut versteht.

 

Seine Worte stimmen mit seiner Erscheinung überein. Nick ist wortgewandt, voller Lebensenergie und –freude und dennoch zurückhaltend und getragen von einer inneren Ruhe und Kraft. Auch Laura teilt die Ansicht von Nick in Hinsicht auf den Erziehungsaspekt. Der weibliche Aikidoka trainiert Aikido seit vier Jahren und ist eine der wenigen Frauen im Verein. Für die etwas kleinere, sportlich-gebaute Frau bedeutet Aikido neben der körperlichen Betätigung unter anderem auch Selbsterziehung. »Für mich ist Aikido neben der körperlichen Anstrengung auch ein Versuch, zu mir selbst zu fi nden.« »Man braucht kein Gebäude, Geld, keine Macht oder einen besonderen Status, um die Kunst des Friedens zu praktizieren. Der Himmel ist genau da, wo du jetzt bist, und das ist der Ort, an dem du trainieren sollst«, lautet eine der Lehren von Aikido-Gründer Morihei Ueshiba. Trotz der Trainingsanzüge, Vereinsbeiträge und den verwendeten Waffen handelt es sich bei Aikido um eine verhältnismäßig günstige Kampfkunst. Theoretisch betrachtet sind Anzüge, Waffen und Geld also nicht zwingend nötig, um Aikido zu erlernen. Praktisch sind diese Utensilien jedoch natürlich erwünscht, unter anderem der Atmosphäre wegen. »Aikido kann Heilung für Körper und Seele bedeuten«, so das Statement eines weiteren Aikidokas.

 

Spirituelle Weiterentwicklung

 

»Ich lebe und spüre Aikido einfach«, erklärt Anna, die »die Kunst des Friedens« seit ungefähr fünf Jahren betreibt. Für sie bildet Aikido die perfekte Mischung aus spiritueller Weiterentwicklung und Bewegung des Körpers. Jeder Aikidoka hat seinen/ihren eigenen Zugang zu Aikido und für jeden ergeben sich andere, auch alltägliche Vorzüge dadurch. So beschreibt Martin, der Aikido seit 1994 in Innsbruck praktiziert, dass seine wichtigste Lektion die des Loslassens war und noch immer ist. »Aikido ist keine Kunst, bei der man schnell mal vorbeizappt. Sie fordert immerwährende Aufmerksamkeit, Disziplin, Durchhaltevermögen und eben Loslassen.« Auch ich trainiere in dieser Kampfkunst-Disziplin und habe ebenfalls meine eigenen Erfahrungen damit gemacht, die sich teilweise auch in denen der anderen wiederfi nden. Tatsache ist, dass Aikido mit Worten nur schwer zu fassen ist, da es sich nicht nur um eine Sportart handelt, sondern um eine ganze Lebenseinstellung, und diese kann jeder für sich auf eine andere Art leben. Menschen, die Aikido ernsthaft betreiben, lernen nicht nur Techniken, mit denen man sich in unabsehbarer Zukunft vielleicht verteidigen kann, sondern sie lernen das Leben generell aus einer anderen Perspektive zu betrachten. All diese Aspekte und die Tatsache, dass Aikido keine Wettkämpfe kennt, machen es zu einer Kampfkunst und unterscheiden es von einem Kampfsport, in dem der Wettbewerb und offensive Kampftechniken eine wichtige Rolle spielen.

 

Für mich persönlich ist folgendes Zitat von Morihei Ueshiba am aussagekräftigsten und es hilft mir immer wieder, den hürdevollen Weg des Aikido weiterzugehen: »Fehler sind der Schlüssel zum Erfolg; jeder Fehler lehrt uns etwas.« Die Hallenuhr zeigt nun auf 22:15 Uhr. Die Aikidokas reihen sich wieder an einem Ende des Trainingsfeldes auf, manche von ihnen schweißgebadet, jedoch trotzdem ruhig atmend. Wieder verbeugen sich alle zuerst vor dem Abbild Morihei Ueshiba’s und anschließend vor dem Sensei. Danksagungen begleiten die Verbeugung vor letzterem. Schließlich verbeugt sich jeder vor jedem Trainingspartner und dankt diesem für die Hilfe der Technikdurchführung. Die Matten werden fein säuberlich aufgestapelt. Dann ist die Halle leer und das japanische Flair schlummert in den Köpfen der Teilnehmer.

 
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