Die Geschichte des Tarot - Teil 4

21 Trümpfe und ein Narr

Künstler und Tarotautor Robert Place lebt in New York, kreiert Tarotdecks und gilt als Tarotexperte.


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Die Geschichte des Tarot - Teil 4


 

21 Trümpfe und ein Narr

 

Tarot entwickelte sich im Laufe des 15. Jahrhunderts, doch keines der frühen, handgemalten Decks aus dieser Zeit beinhaltete alle der 21 Trümpfe, die heute zu einem Tarotdeck gehören. Das Visconti-Sforza-Deck von etwa 1450 kommt unseren heutigen Decks schon sehr nahe, doch der Teufel und Turm fehlen auch hier, sie sind in keinem einzigen der noch erhaltenen vergoldeten Trümpfe aus dem 15. Jahrhunderts in Mailand aufzufinden. Wann genau entstand also die uns so vertraute Abfolge von 21 Trümpfen und dem Narren?
 


Die erste Quelle, die wir uns ansehen, ist ein Gedicht des Grafen Matteo Maria Boiardo, in dem er ein Tarotdeck beschreibt. Das Deck nannte er »Triumph der eitlen Welt«, es besteht aus vier Sätzen à 14 Karten und einem fünften Satz mit 21 Trümpfen und einem Narren. Man könnte dieses Deck als eine frühe Ausführung unserer heutigen großen Arkana bezeichnen, doch obwohl Ähnlichkeiten zu den modernen Trümpfen nicht von der Hand zu weisen sind, entsprechen die Titel und Beschreibungen der Trümpfe nicht der heutigen Norm.
Einige Zeilen des Gedichtes sind verlorengegangen, doch benannt werden Trumpftitel wie »Freizeit«, »Müdigkeit«, »Sehnsucht«, »Geheimnis«, »Gnade«, »Missachtung«, »Geduld«, »Irrtum«, »Beharrlichkeit«, »Zweifel«, »Gefahr«, »Erfahrung«, »Zeit«, »Besinnungslosigkeit« und »Innere Stärke«. Nach Boiardos Tod wurde basierend auf seinem Gedicht ein Holzschnittdeck erschaffen, doch die einzige Kopie, die heute noch existiert, beinhaltet zwar alle vier Sätze, jedoch keinen einzigen Trumpf. Die vier Sätze sind den Symbolen »Augen«, »Vasen«, »Pfeile« und »Peitschen« zugeordnet. Diese verkörpern im Gedicht die vier Leidenschaften des Menschen »Angst«, »Eifersucht«, »Hoffnung« und »Liebe«. Jede Karte ist ebenso aufwändig wie schön gestaltet und mit einer dreizeiligen Beschreibung versehen. Diese Kartenbeschreibungen legen nahe, dass das Deck mit der damaligen Praxis »Tarocchi appropiate« verbunden war, bei der ein Poet eine Dichtung komponierte, die eine Tarotkarte mit der Persönlichkeit eines zeitgenössischen Mannes oder einer Frau verglich. Wenn dies auch nicht der Divination im eigentlichen Sinne entspricht, so ist es dennoch ähnlich.

Zur gleichen Zeit, in der Boiardo sein Gedicht schrieb, wurde in Venedig oder Ferrara ein Tarotdeck geschnitzt, dessen Zahlenkarten mit Figuren illustriert waren, die mit den Symbolen des jeweiligen Satzes interagieren. Dieses innovative Deck heißt »Sola Busca« und ist eines der historischen Modelle, die Pamela Colman Smith beeinfl ussten, als sie das »Waite-Smith Tarot« erschuf. Das »Sola Busca« besteht ebenfalls aus 21 Trümpfen und einem Narren, aber auch hier entsprechen die Abbildungen wieder nicht der heutigen Norm. Die 21 Trümpfe formieren eine Parade von mystischen und historischen Kriegern, die nur wenig Verbindung mit den Bildern des »Tarot de Marseille« aufweisen, die die Vorlage für die heutige Reihenfolge und Bebilderung darstellen. Den besten Beweis für den Ursprung des heutigen Standards von 21 Trümpfen finden wir in den damals sehr beliebten Holzschnitt-Decks des ausgehenden 15. Jahrhunderts. Geschnitzte Holztafeln sind in Europa seit 1400 genutzt worden, um Illustrationen und Schriftsätze zu reproduzieren. 1450 erfand Johannes Gutenberg den Buchdruck, in dem er bewegliche Metallbuchstaben nutzte, um Schrift auf Papier zu reproduzieren.
Dank der wachsenden Lesefertigkeit des Volkes boomte das Druckerhandwerk. Geschnitzte Illustrationen konnten gut mit beweglichen Buchstaben kombiniert werden, daher wurde die Zeitspanne von 1460 bis 1500 zum Goldenen Zeitalter der Holzschnitt-Künstler. Neben der Illustration von Büchern arbeiteten Drucker mit Holzschnitzern gemeinsam an der Kreation von Karten für Spiele oder mit Darstellungen von Heiligen. Diese Darstellungen waren in schwarzen Linien gedruckt, der Rest war mit Hand bemalt – oft, indem man Wasserfarben über Schablonen applizierte. Die Karten, die daraus entstanden, waren beliebt und verbesserten den Umsatz, denn sie konnten anders als Bücher auch der leseunkundigen Öffentlichkeit verkauft werden.
 


Die Tarot-Decks, die damals für diesen Markt kreiert wurden, besaßen zwar durchnummerierte Trümpfe, jedoch fehlten die Titel. Wir wissen heute nicht mehr, wie viel Tausende von Decks damals gedruckt wurden. Weil die Karten zum Spielen gebraucht wurden, bis sie abgenutzt und unvollständig waren, haben nur wenige von ihnen bis heute überlebt. Doch zum Glück wurden die Karten im Druckverfahren immer in Reihen auf einen großen Bogen Papier gedruckt und dann ausgeschnitten. Einige dieser bedruckten Bögen wurden aussortiert und anderweitig verwendet:
Bei der Restaurierung alter Bücher fand man sie als Füller innerhalb der Ledereinbände wieder. Drei dieser Papierbögen sind in der U.S. National Gallery in Washington zu sehen, sie entstammen einem Deck namens »Rosenwald Tarot« und zeigen sämtliche heute genutzten Tarotkarten mit Ausnahme der Zehnen, der Königin der Stäbe und des Narren. Da der Magier in einem bunten Narrenkleid und mit Eselsohren abgebildet wurde, ist er möglicherweise als Magier und Narr zugleich genutzt worden. Abgesehen davon entsprechen sämtliche Trümpfe der heutigen Norm, sie beinhalten ebenfalls den Teufel und Turm. Nur die Reihenfolge ist etwas anders als die der französischen Karten. Das Deck aus dem 15. Jahrhundert, welches den heutigen Decks am nächsten kommt, wurde in Ferrara gedruckt und ist auf einer Reihenfolge von Papierbögen zu sehen, die zwar nicht alle dasselbe individuelle Deck zeigen, jedoch verschiedene Decks, die sich im Design gleichen.

Zwanzig dieser Bögen sind heute im Budapester Museum der Künste in Ungarn zu besichtigen, vier im Metropolitan Kunstmuseum in New York, drei weitere, nur bruchstückhaft erhaltene Bögen in der Biblikothek der Yale Universität in Connecticut. Ein paar wenige befinden sich in privaten Sammlungen. Die Bögen zeigen wiederum Kartenreihen, die in schwarzen Linien gedruckt und deren Farben mittels Schablonen aufgetragen wurden. Die Farben sind jedoch nicht vollständig, teilweise auch nicht mehr erkennbar oder zu einem wenig opulenten Grau verblasst. Kombiniert zeigen diese Bögen Bilder des Narren und aller 21 Trümpfe sowie sämtliche Zahlen- und Hofkarten. Weil die Bögen beschnitten wurden, um in die Einbände zu passen, fehlen bei manchen Karten allerdings Abschnitte. So existiert nur die rechte Hälfte des Wagens und des Herrschers, die obere Hälfte der Liebenden, der Mäßigkeit und des Sterns, und der Kraft fehlt die linke obere Ecke.
 

 
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