Maya-Forscher Harry Thomaß erklärt den Maya-Kalender und wie die Maya mit dem Jahr 2012 umgehen.
"Natürlich nehmen die heutigen Maya den Medientrubel um 2012 wahr. Verschiedene schamanistische Priester nehmen dieses Datum zum Anlass, um auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam zu machen."
Noch heute praktizieren einige schamanistische Priester im Hochland von Guatemala, in der Maya-Quiche-Sprache sogenannte Ajq‘ij, "Hüter der Tage" eine Kalendertradition, die auf das vorspanische Mayakalendersystem zurückgeht. Aber wenn heute vom Kalender der Maya gesprochen wird, bezeichnet das die Kalender der klassischen Maya, die zwischen 300 und 900 n. Chr. auf dem Gebiet von Südmexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador lebten.
In diesem Kalendersystem sind mehrere Zyklen miteinander verknüpft: Das Sonnenjahr mit ca. 365 Tagen -Haab genannt- wurde in 18 Monate a 20 Tage unterteilt und einem zusätzlichen Monat von fünf Tagen.
Erstaunlicherweise weist auch unsere gelebte Jahreszeit des Gregorianischen Kalenders einen Zeitraum am Ende des Jahres von fünf Tagen auf, der gemeinhin als "Zwischen den Jahren" bezeichnet wird. Bei den Maya hatten diese zusätzlichen fünf Tage den Namen Uayeb und einen unglücksbringenden Charakter, so dass, wie in kolonialen Quellen beschrieben, die Maya-Bevölkerung in dieser Zeit ungerne das Haus verließ.
Neben dem Sonnenjahr der Maya gab es den Orakel- und Horoskopkalender Tsolk‘in mit 260 Tagen. Tsol heißt auf Maya aufreihen, abzählen und K‘in bedeutet Tag. In diesem Zyklus wurden 13 Ziffern mit 20 Tageszeichen kombiniert, so dass nach 260 Tagen die Ausgangskombination wieder erreicht wurde. Das Geburtsdatum im Tsolk‘in bestimmte die individuellen Eigenschaften eines Kindes. Besonders diese Funktion erscheint plausibel, wenn man davon ausgeht, dass mit den 260 Tagen die Zeit einer Schwangerschaft vom Zeitpunkt der Empfängniss bis zur Geburt beschrieben wird.
Von den Mayabüchern aus der vorspanischen Zeit sind noch vier erhalten. Diese bestehen aus Agaven-Bast oder Hirschhäuten, die mit Kalk geweißt und mit einem Holzspatel in Mayaglyphen beschrieben wurden. In dem sogenannten Madrider-Kodex, eines der vier Bücher, findet man eine Darstellung von Raum und Zeit: In den vier Himmelsrichtungen, gekennzeichnet mit den jeweiligen Glyphen für die Himmelrichtung, werden rituelle Handlungen von sich gegenübersitzenden Personen oder göttlichen Wesen vollzogen.
Neben den vorspanischen Büchern der Maya sind heute zahlreiche Kalender-Daten in Stein gemeißelt überliefert. In solchen Inschriften, die auf Stelen, sogenannte Baum- oder Zeitsteine verfassten wurden, ließen die absolutistischen Gott-Könige der Maya für sie wichtige Ereignisse dokumentieren. Geburt eines Thronfolgers, Krönungsdaten oder wichtige Schlachten sind uns von den Maya überliefert. Diese Inschriften beginnen meistens mit einem Datum, dass von einem mythischen Nulldatum aus gezählt wurde, entsprechend unserem "nach Christi Geburt".
Im Gregorianischen Kalender fällt das mytische Nulldatum der Maya auf den 13. oder 11. August 3114 vor Christus. Und von diesem Nulldatum aus gerechnet endet am 21.12.2012 der 13te große Zyklus eines Baktun. Ein Baktun sind aber nicht wie normalerweise angenommen 400 Jahre, sondern ein bischen mehr als 394 Jahre, da in der Langen Zählung ein Jahr -wahrscheinlich aus harmonischen Ordnungsgründen- nur 360 Tage hatte und nicht 365.
Natürlich nehmen die heutigen Maya den Medientrubel um dieses Datum wahr. Verschiedene schamanistische Priester und andere soziale Akteure nehmen dieses Datum zum Anlass, um auf die gesellschaftlichen Probleme aufmerksam zu machen.
Immer noch sind brutale Unterdrückung der indigenen Bevölkerung an der Tagesordnung. Ihr sozialer Ausschluss, der Analphabetismus und die rücksichtslose Umweltzerstörung in der Region zusammen mit der zunehmende Kriminalität durch den Drogenhandel haben aus Mittelamerika eine Region gemacht, in der die globalen Konflikte offen zu Tage treten. Dahinter stehen oft knallharte wirtschaftliche Interessen, wie in dem Film neuen "Herz des Himmel - Herz der Erde" (Kinostart 1. Dezember 2011) veranschaulicht wird.
Mittelamerika braucht endlich Frieden! Ein Funken Hoffnung gibt die Friedensinitiative des Dichters Javier Sicilia in Mexiko, die versucht eine zivilgesellschaftlich breite Bewegung zu werden, um dem Frieden eine mächtige Stimme zu verleihen. Nur leider gibt es in der Region immer noch zu viele Waffen, die die Herzen verschließen und die Mächtigen nach Macht, Geld und Einfluß gieren läßt.
Mehr lesen: die Themenseite "2012" auf questico.de
Harry Thomaß ist Mesoamerikanist und erforschte während zahlreicher Aufenthalte bei Schamanen und Priestern die rituelle Sprache der yukatekischen Maya.
2012 geht die Welt unter - so die Weissagungen der Mayas.
Der Erfolgsautor Walter-Jörg Langbein hat uralte Weissagungen der alten Hochkulturen recherchiert und mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen verglichen.
Seine spannenden Ergebnisse stellt er nun in diesem Buch dar.
Für 2012 werden verschiedene drastische Veränderungen für die Menschheit erwartet.
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