Interview
Pablo, Sie haben im peruanischen Hochgebirge Ihre Großmutter, eine angesehene Schamanin, begleitet. Wie war das?
Es gab damals in den entlegenen Dörfern in den Anden keine Ärzte, meine Großmutter war Indianerin und kannte sich sehr gut aus; sie war eine echte Schamanin. Darum wanderte sie von Dorf zu Dorf, um die Kranken zu heilen. Zur Diagnose hatte sie u.a. eine Flasche mit Alkohol, in der eine Schlange eingelegt war. Bei einer geistigen Krankheit zog sie den Kopf der Schlange aus der Flasche und hauchte dem Kranken darüber ihren Atem entgegen. Bei einer körperlichen Krankheit gab es eine andere, wesentlich drastischere Methode. Es half sehr gut, aber hier in Europa wird man es für grausam halten. Wollen Sie das wirklich hören?
Erzählen Sie mal...
Die Schamanin nahm ein Meerschweinchen. Dazu muss man sagen, dass die Menschen in Peru Meerschweinchen nicht als Haustiere halten: Man isst sie, sie sind Nutztiere. So etwas wie Haustiere gibt es dort überhaupt nicht, dazu sind die meisten Menschen zu arm, und deshalb haben sie auch ein anderes Verhältnis zu Tieren. Meine Großmutter nahm also das Meerschweinchen und massierte damit den kranken Menschen. Danach wurde das Tier getötet und seziert. Es war verblüffend: Das Meerschweinchen war wie eine Röntgenaufnahme des Kranken. Es zeigte genau an den Stellen Anzeichen von Krankheit, an denen auch der Mensch erkrankt war.
Wie hat Ihre Großmutter die Kranken dann behandelt?
Hauptsächlich mit verschiedenen Kräutern. Teilweise auch mit Methoden, die ähnlich ungewöhnlich sind wie die �eerschweinchen-Massage� So hatte ich zum Beispiel als Knabe lange Zeit Angst vor der Dunkelheit. Meine Angst war so groß, dass ich mich nach Anbruch der Dunkelheit nicht mehr aus dem Haus getraut habe. Meine Großmutter ging eines Nachts ins Gebirge und fing dort eine spezielle Maus, die sie mir dann briet und zu essen gab. Seitdem hatte ich nie wieder Angst in der Dunkelheit. Patienten mit psychosomatischen Erkrankungen hüllte sie in ein �ett�aus speziellen Blüten, vollzog ein Ritual und heilte dadurch deren Krankheiten.
Wie lange sind Sie schon in Deutschland?
Ich bin jetzt seit 38 Jahren hier, ich habe als seriöser Arzt praktiziert und bin nun pensioniert. Ich habe zwei Kinder, die beide sehr musikalisch sind: Meine Tochter ist Opernsängerin und mein Sohn - das ist nun wieder eine wilde Geschichte �mein Sohn hat bei �etten dass..?�die Wette gewonnen, dass er 21 Geigenvirtuosen an ihrem Spiel unterscheiden kann. Diese Begabung hat er von seinem Vater. Die Stimme und das Gespräch, das sind die beiden wichtigsten Faktoren, auf die ich mich in meiner Beratung stütze.
Wenden Sie bei der Beratung auch Rituale an?
Nein, ganz sicher nicht. Abgesehen von allem anderen wäre das in dem Rahmen auch nicht sinnvoll. Das einzige, was ich tue, ist, dass ich meine Kunden bitte, dreimal tief ein und aus zu atmen. Ich bin unter anderem natürlich auf das Thema Gesundheit spezialisiert und oft kann ich bereits am Klang des Atems erkennen, ob dem Menschen etwas fehlt und ob es körperliche oder geistige Probleme sind, die ihn plagen. Das sind Dinge, die man auch in keinem Schamanenkurs lernen kann. Denn Schamane wird man nicht. Schamane ist man.

Pablo Vivanco freut sich auf das Gespräch mit Ihnen!
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