Sie arbeiten mit dem Crowley-Tarot, von dem manche Kartenleger sagen, es sei ihnen zu düster.
Ja, ich weiß. Aber bevor ich etwas interpretiere sind es doch nur Bilder auf einem Stück Pappe, und die können mir nichts anhaben. Erst meine Gedanken machen etwas aus den Bildern. Aber ich arbeite auch nicht nur mit dem Crowley-Tarot. Ich nehme es nur häufig, weil es mein persönlicher Favorit ist. Allerdings arbeite ich auch mit den Lenormand-Karten, den Kipper-Karten, den Engel-Karten und dem Edelstein-Tarot.
Wie sind Sie auf das Crowley-Tarot gestoßen?
Das war reiner Zufall. Ich habe die Karten in einem Geschäft gesehen und sie haben mich sofort angesprochen. Seit diesem Moment nutze ich sie oft und gerne.
Woher kommt Ihr Interesse an den Kartendecks?
Das habe ich wohl meinen Eltern zu verdanken, die selber sehr spirituell waren. Sie haben damals Bilder gesammelt, auf denen Abbildungen von Kirchenfenstern zu sehen waren. Diese Karten haben eine lange Tradition und man kennt sie auch unter dem Namen �eiligenbild� Sie waren früher mal regelrecht eine Ware und wurden gesammelt und getauscht. Und meine Eltern haben das eben auch gemacht. Für eine gute Tat bekam man ein neues Bild - als kleines Kind war ich natürlich fasziniert von diesen Dingen. Im Grunde waren es meine Eltern, die mich auf den spirituellen Pfad gebracht haben.
Hat das Interesse angehalten oder haben Sie es in der Jugendzeit, wie viele andere, zunächst verloren?
Nein, das Interesse war immer da. In der Jugend habe ich mit Karten herumexperimentiert. Man wollte ja wissen, wer die große Liebe ist und was einen so im Leben erwartet. Das war aber eher spielerisch. Als ich mein Studium des Sozialwesens und der Psychologie angefangen habe, waren die Karten aber schon meine ständigen Begleiter.
Wie geht das zusammen: Psychologie und Kartenlegen?
Das klappt sehr gut, es ergänzt sich prima. Für mich ist das so: Wenn ich Karten lege, dann beziehe ich meine Kenntnisse als Gesprächstherapeutin mit ein. Wenn ich als Psychologin arbeite, dann decken die Karten das Emphatische und das Emotionale ab, denn sie zeigen die Möglichkeiten im Leben aus einer intuitiven Sicht. Das hilft natürlich enorm.
Das heißt, Sie legen die Karten auch in der Therapie?
Nein, das mache ich nicht bei meinen Patienten. In einer Gesprächstherapie geht es um die Korrektur des Lebenswegs, und dass man auch versteht, was man alleine in die Hand nehmen muss. Aber andersherum geht es schon. Wenn ich am Telefon arbeite, spielt meine Ausbildung natürlich eine Rolle.
Um einem Menschen helfen zu können, ist es da leichter ihm gegenüber zu sitzen, oder geht das auch per Telefon?
Die Arbeit in der Praxis ist schon eine andere, weil man einfach mehr Zeit hat. Eine Sitzung dauert ja meistens eine Stunde und findet nicht nur einmal statt. Da kann man schon sehr tief gehen. Aber das geht in einem gewissen Maße auch am Telefon. Klar, die meisten Menschen haben meist Fragen, die sie schnell beantwortet wissen wollen. Da helfen die Karten sehr gut. Mittlerweile habe ich aber auch viele Kunden, die nicht nur wegen der Karten anrufen. Viele suchen nach einem Coaching und einem tief gehenden Gespräch. Manchmal habe ich sogar gleich mehrere Menschen am Telefon. Wenn Paare zum Beispiel über einen Neuanfang nachdenken - das ist nicht immer einfach, wenn viel Porzellan zerbrochen wurde. In diesen Gesprächen arbeite ich als Mediatorin und bin dabei sehr erfolgreich.

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