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Wer oder was sind "Branwen"?

13. November 2008

Anja aus Kiel stellt diese Frage:

Hinter der Figur der Branwen versteckt sich eine Geschichte, die noch heute gerne in Irland erzählt wird. Erklärt sie doch, wie das Land und seine Einwohner auf die Insel gekommen sind. Demnach heiratete Matholwch, der König von Irland, die Schwester des Königs von Britannien, der Bran hieß. Dieser gab seine Zustimmung und Matholwch nahm Branwen mit nach Irland, wo er sie allerdings bald in die Küche steckte und schlagen ließ. Branwen zähmte einen Star, der einen Hilferuf zu ihrem Bruder nach England schickte. Dieser startete daraufhin eine Rettungsaktion. Bran soll ein Riese gewesen sein, der mühelos die irische See durchqueren konnte. Als Matholwch von der Ankunft Brans hörte, erdachte er eine List. Er baute einen Palast für Bran, versteckte dort aber Mörder. Doch der Plan flog auf und Bran und seine Männer wurden wütend. Sie zerstörten den Palast und töteten alle Bewohner der Insel. Am Ende ließen sie nur fünf schwangere Frauen zurück, die das Land neu bevölkern sollten. Und aus diesen fünf Frauen ist heute Irland entstanden.

Erstellt: 01:01 Uhr | Autor: Questico Redaktion | Kategorie: Kartenlegen  |  Kommentare [8]

Kommentare:
Die Gute war offensichtlich eine sehr mächtige Hexe. Man hat übrigens tatsächlich ihr Grab gefunden.

Kommentar von Holger Rösler am 13. November 2008, 09:29 Uhr

Die Geschichte erinnert sehr stark an Troja (Broncezeit) Die Niebelungen und Artus (Eisenzeit) und an die Geschichte vom heiligen Gral (Kessel der Leben schenkt)
Sie spielt aber in der Steinzeit und zwar genau in der Zeit, in der die Kelten den Raum erobert haben, in denen die Megalitenkulturen schon gelebt haben.
Daher ist es auch kein Wunder, warum Matholwch so sauer auf Branwen war. Ihr Halbbruder Efnisien hatte schließlich die Pferde von Matholwch umbringen lassen. Es wäre darüber normalerweise zum Krieg gekommen, weil es bei den Kelten nichts schlimmeres gab als Perde zu töten.
Um den Krieg abzuwenden bekam er Pferde als Ersatz (die mit Sicherheit qualitativ minderwertiger waren, denn Bran, König der Briten konnte als Bauernkönig der Briten hätte nie so gute Pferde haben können wie ein Keltenkönig) und seine Schwester Branwen. Die war definitiv ein Ersatz denn sie muss sehr schön gewesen sein wenn man sie in Verbindung mit Venus und Aphrodite verglichen hat. Und einen Kessel (Bronce) der Tote zum Leben erwecken könne (heiliger Gral). Natürlich war der Kessel nicht wirklich der heilige Gral, das war natürlich Branwen selbst.
Aber wie es so ist, Matholwch konnte die Sache nicht vergessen und weil Efnisien nicht abzumurksen war hat er wenigstens seine Schwester gequält. Nun sind Stare durchaus Zugvögel und Branwen heißt ja wohl weißer Rabe (wobei ich noch nie gehört habe, das man einen solchen gefunden hätte) also hatte sie einen sehr grossen Bezug zu Vögeln. Aber versuchen sie mal einem Staren die Adresse des britischen Königs zu geben. Ich denke, das der Star eine der Hofdamen war, die die Aufgabe hatten zu verhindern das das Ehedrama dem britischen König bekannt werden sollte.

Kommentar von Holger Rösler am 13. November 2008, 14:06 Uhr

Da möchte ich die Geschichte aber noch ein wenig ergänzen

Branwen ist eigentlich bekannt als die wallisische Göttin der Fruchtbarkeit und der Liebe und gilt auch als "Venus der Nordmeere" oder "Perle des Meeres". Im zweiten Zweig des Mabinobion (der wallisischen Sagen) ist sie die Tochter des wallisischen Herrschers Llyr und dessen Gemahlin Penarddun und Schwester des Riesen Bran. Schaut man etwas tiefer in die wallisischen Sagen so stellt man fest dass Llyr der wallisische Meeresgott war (was sowohl die Riesenhaftigkeit Brans als auch Branwens Darstellung als Göttin erklärt)

Die Geschichte der Questico Redaktion stimmt zwar, ist aber unvollständig. Als um Branwens Hand angehalten worden war, wurde ein weiterer Halbbruder Branwens, der grausame Evnissyn übergangen und trachtete danach das Bündnis wieder zu zerstören. In der Hochzeitsnacht schlich er sich in die Ställe und verstümmelte die Pferde der Iren. Nur mit Mühe und kostbaren Geschenken (unter anderem seinem Zauberkessel) gelang es Bran einen Krieg der Stämme vorerst zu verhindern. Zuerst versöhnt ziehen die Iren ab. Die ersten Jahre des Paares sind auch von Glück geprägt und sie steigt zur "Blume Irlands" auf. Mit den Jahren keimt jedoch der Hass in der Bevölkerung auf die Schandtat Evnissyns wieder auf. Danach kommt es zu der von der Redaktion genannten Situation. Die Geschichte mit der "Palastfalle" führte zu einem großen Gemetzel. Es stimmt aber nicht, dass die Briten nur fünf schwangere Frauen zurückließen um das Land neu zu bevölkern. Die Sage sagt aus, dass bei dem Gemetzel auf beiden Seiten kaum Überlebende waren. Am Ende waren nur Branwen selbst und 6 Briten sowie die genannten 5 schwangeren Frauen am Leben. Branwens Sohn Gwern war tot (er wurde von seinem eigenen Vater ins Feuer gfeworfen), Bran wurde durch einen vergifteten Speer in die Ferse tödlich verwundet (Man vergleiche die Achilles-Sage und Holgers Hinweis auf Troja). Der Kampf endete dadurch dass aufgrund der Tatsache dass sie die Ursache der Auslöschung zweier Inselvölker war, Branwen an gebrochenem Herzen starb und die restlichen Briten daraufhin abzogen. Dass die schwangeren Frauen zurückblieben ist zwar richtig, jedoch wohl eher der Tatsache zu verdanken dass die Schlacht da bereits vorüber war und kann nicht als geplanter Akt der Briten gesehen werden. Branwens Leiche wurde am Fluss Alaw in ein Grab gelegt dass auch heute noch als "Bedd Branwan" bekannt ist. Und tatsächlich wurden in den 60er Jahren in diesem Grab Urnen gefunden was darauf hindeutet dass die Sage auf einer wahren Begebenheit beruht. Allerdings stellt sich hier die Frage warum man MEHRERE Urnen dort gefunden hat. Der Sagenstoff wurde erst recht spät gesammelt, in einer Zeit, in der die christianisierung schon sehr weite Kreise gezogen hatte (zumindest Wales war schon christianisiert). Insofern ist nicht bekannt inwieweit die Geschichten bereits "verändert" wurden. Auffällig ist, dass Branwens Rolle als "stille Dulderin" durchaus christliche Anleihen trägt. Trotzdem ist sie unschwer als eine der drei Königinnen der Insel und als Muttergöttin auszumachen was (auch in Bezug auf die Darstellung von Riesen, etc) auf den ursprünglichen Glauben hinweist. Branwens Kind, ihre Großzügigkeit und vor allem ihre Beziehung zu Vögeln weisen auf den alten Glauben hin.

Die Verbindung zur Gralssage sehe ich eher nicht, denn der Kessel der Tote erwecken konnte (eine Eigenschaft die der heilige Gral nicht hat) war schon immer im Besitz Brans. Dies nun Branwen zuzuordnen ist zwar in Bezug auf mögliche Veränderungen der Sage durchaus legitim, allerdings hatte der Kessel bei den Kelten, vor allem den Druiden, schon immer eine große Bedeutung für Zaubertränke. Vielmehr ist davon auszugehen dass Brans Leben die Grundlage für die Legende des Fischerkönigs (auch als Gralshüter bekannt) bildete. Nur mit dem Unterschied dass Brans Kessel wirklich ein Kessel war (und nicht Branwan) jedoch in der Gralssarge als "Tarnung" für Maria Magdalena übernommen wurde (wenngleich die Maria-Magdalena-Vermutung ja auch nicht frei von Zweifeln ist, aber ich bin auch Fan von Dan Brown, grins). Insofern kann dies nicht mehr als eine Vermutung sein.

Der Name "weisser Rabe" zeigt eine Verbindung zu einer anderen Sage. Brans Kopf wurde gemäß der Sage in London vergraben und zwar an der Stelle, wo heute der "White Tower" steht. Damit ist die Brücke geschlagen zur Legende der Tower-Raben die besagt, dass England fallen wird, sollten einmal keine Raben mehr im White Tower wohnen, weswegen die Briten den Raben noch heute die Flügel stutzen um sie am wegfliegen zu hindern.

Ob der Star nun ein Star oder eine Hofdame war... nun darüber könnte man streiten. Da die Sage aber auf eine ganz andere Religion als die christliche zurückgeht, die einen sehr engen Bezug zur Natur im Allgemeinen und zu Vögeln im Besonderen hatte, kann man da sicher lange Vermutungen anstellen.

Kommentar von Heide aus Überzeugung am 13. November 2008, 14:54 Uhr

ich noch zu meinem Senf hinzufügen....

Nun kriegt Matholwch Muffensausen denn Bran kommt mit einem wandernden Wald (sein Heer) und ist sauer. Und Bran ist ein Riese (das er die irische See durchwandern könne halte ich für ein Gerücht aber er muss ein ausgezeichneter Krieger gewesen sein, so ähnlich wie Archill).
Matholwch lässt einen Palast "zur Beruhigung" bauen. Das Haus ist spirituell gesehen das Symbol für das Leben. Aber dieser Palast war (da mit Mördern versehen) eine Falle oder ein Grab. Durch das zwitschern des Stars wusste Bran natürlich bescheid und löschte die ganze keltische Bevölkerung aus. Ein beinahe Genozid. Und ein Beweiß das auch in der Steinzeit nicht alles friedlich abgelaufen ist.
Und wenn, wie Heide schreibt, dieser Krieg bis zur Selbstzerfleischung beider Völker getriben wurde, ähnelt das auch an Troja. Der eine Krieg aus Liebe zu einer Frau, der andere Krieg aus Liebe zu Pferden. Die Trojaner waren übrigens auch ein Pferdevolk.

De Kessel der Tote zum Leben erweckt sehe ich auch nicht im realen Kessel (obwohl man da sehr schöne gefunden hat und mit ihnen auch einen sehr grusligen Verdacht) sondern in Branwen. Den wirklichen Kessel sehe ich im weiblichen Uterus. Und so kann man sicher auch die Verbindung bis zu Maria ziehen, wenn man das möchte.

Der Tod des Branwen errinert stark an den Tod des Sohnes von Ezel, nur das der geköpft wurde glabue ich.
Am Ende stirbt ein Kind.

Irgenwie scheinen sich die Geschichten immer wieder zu wiederholen.

Was ich nicht verstehe ist; die Siegfriedsage spielt von Island bis Ungarn. Die Artussage ist auf Britannien beschränkt. Und sie spielt zu einer nahen Zeit zu Artus. Ständig fahren Schiffe vom Rhein bis Island aus welchem Grund auch immer. Hätten da Gunther und Siegfried nicht mal bei Artus (oder wer auch gerade König war) vorbeischauen und zusammen ein paar Bierchen trinken können?




Kommentar von Holger Rösler am 13. November 2008, 15:43 Uhr

Der weibliche Uterus als Kessel... Ja, das ist die neuere Interpretation der Gralslegende wie sie Dan Brown in "Sakrileg" aufgreift. Allerdings ist die Gralslegende erst im zwölften Jahrhundert entstanden (der unvollendete Versroman um Parzival von Chrétien de Troyes). Erst Ende des zwölften Jahrhunderts wurde die Gralslegende mit christlichen Aspekten ausgestattet (von Robert de Boron) wobei man sich auf das apokryphe Nokodemusevangelium beruft). Erst neuere Kenntnisse des ebenfalls apokryphen Phillipusevangelium ließen die Gralsforscher auf die Bedeutung "Uterus als Gral" kommen was auf den Aussagen zu Maria Magdalena in diesem Evangelium zurückzuführen ist. Die Geschichte von Bran und dem Kessel ist jedoch weit älter. Das Mabinogion (in dem sich im zweiten Zweig auch die Geschichte Brans wiederfindet) entstand zwar in schriftlicher Form erst im dreizehnten Jahrhundert, jedoch werden die Erzählungen an sich auf das elfte Jahrhundert zurückgeführt, also zu einer Zeit als die Artussage und die Gralsgeschichte noch nicht bekannt waren. Daher glaube ich nicht dass man hier den Schluß Kessel = Kelch = Branwa = weiblicher Uterus ziehen darf. Das wäre - bei aller Liebe zu Mysterien und Verschwörungstheorien - doch etwas zu weit hergeholt.

Ich widerspreche auch der Darstellung dass Artus und Siegfried sich hätten treffen müssen. Artus, der eine mystische und fiktive Gestalt ist, hat der Sage nach um das Jahr fünfhundert gewirkt. Also etwa sechzig bis siebzig Jahre NACHDEM das alte Burgunderreich zu Worms von Attilas (Etzels) Heer zerstört wurde. Siegfried jedoch lebte zu einer Zeit als das Burgunderreich noch existierte. Demzufolge konnten sie sich gar nicht "auf ein Bierchen" treffen. Aber selbst wenn man auf andere Vorlagen für Artus zurückgreift (die wiederum älter sind und auf römische Feldherren zurückgehen) kommt es mit der zeitlichen Zuordnung nicht so ganz hin. Historiker gehen aber davon aus dass wirkliche Personen als Vorlage für Artus dienten, also muss man sich deren Namen und zeitliches Wirken ansehen.

Folgende Personen werden von Historikern als Vorlagen für Artus gesehen

Der römische Ritter Lucius Artorius Castus (Zweites Jahrhundert)
Der römische Heerführer und Usurpator in Britannien Carausius (Drittes Jahrhundert)
Der Riothamus aus dem Volk der Britanni, der angeblich dem römischen Kaiser Anthemius im Kampf gegen die Westgoten zu Hilfe kam (Vierzig Jahre nach der Zerstörung Burgunds)
Der römische Legat, Reichsverweser und erste Konsul Flavius Aetius
Der britannische Heerführer Ambrosius Aurelianus
Der britische Feldherr Enniaun Girt.
Dessen Sohn Owain Ddantgwyn.

Einzig Flavius Aetius und eventuell noch Enniaun Girt könnten theoretisch in die Zeit Siegfrieds fallen. Sämtliche anderen möglichen historischen Vorlagen fallen jedoch aus. Insofern ist es durchaus verständlich wenn sich Siegfried und Artus nicht begegnet sind.

Kommentar von Heide aus Überzeugung am 13. November 2008, 16:51 Uhr

Na ja, die Dan Brown Geschichte ist ein bissel dramatisch. Aber nix genaues weiß man nich.

Ausserdem ist es doch sehr romantisch, wenn die ganzen Reliquienjäger von Gott veräppelt wurden weil das wirkliche Geheimnis die Liebe zwischen zwei Menschen ist. Aber Artus ist genau so ein Mythos wie Siegfried. Wobei es bei Artus mit den hisorischen Quellen mau ist während die Burgunder oder Etzel z.B. in vielen römischen Akten erwähnt werden. Am lustigsten fand ich eine Beschwerde der Römer in Frankreich die darüber sauer waren das die Burgunder nach Zwiebeln stinken und schreckliche Lieder sängen. Na ja, nicht jeder liebt das Niebelungenlied.

Bei der einen Geschichte gibt es Unterlagen, bei der anderen Geschichte nicht.
Aber da beides Mythen sind hätten doch Sigfried und die Burgunder auf dem langen Weg nach Island in England und Irland mal einen Zwischenstopp machen können und nen Pub besuchen. Aber vielleicht waren sie sich nach dem Besuch dort einig, das das englische Bier so schlecht ist, das man besser darüber schweigt.....:-)
(ich bin kein Historiker und ich bin gewiss, das hier das grosse Geheimnis nicht gelöst werden muss)
Obwohl ich den Eindruck habe, das die mythischen Geschichten durch die Zeit wandern und immer wieder neue Gestalten annehmen.

Kommentar von Holger Rösler am 13. November 2008, 17:58 Uhr

Tja... wären sie halt daheimgeblieben die Römer, wenn sie so sensible Näschen haben, grins.

Mit der Zwischenpause in England. Möglich gewesen wäre das schon. Allerdings war damals die Seefahrt doch mit weit mehr navigatorischem Aufwand verbunden. Wählt man einen direkten Kurs von Stockholm nach Island (und den Weg muss man nehmen, da sie ja vorher den Rhein runtersegelten und selbiger in die Nordsee mündet) dann lassen sie die große Insel links liegen. Wollten sie vorher erst den englischen Tee (schüttel...) genießen (z.B. in London) dann müssten sie die Insel nahezu komplett umschiffen um nach Island zu kommen. In einer Zeit wo man auf Segel und damit verstärkt auf Wetterverhältnisse angewiesen war und die Navigation sich um einiges schwieriger gestaltete als heute mit Radar, Echoloten, und anderem Krimskrams, hat man sich solche Umwege natürlich gespart.

Kommentar von Heide aus Überzeugung am 13. November 2008, 18:49 Uhr

Obwohl die Näschen der Römer doch abgehärtet sein sollten denn in der Antike hat Rom ja sehr gestunken.

Kommentar von Holger Rösler am 14. November 2008, 15:36 Uhr

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